Gedenkstunde: Am Mahnmal an der Promenadenstraße erinnerten zahlreiche Menschen an die Pogromnacht von 1938.

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Zahlreiche Besucher, darunter viele Schüler, kamen am Dienstag zur Gedenkstunde an die Promenadenstraße.

Zahlreiche Besucher, darunter viele Schüler, kamen am Dienstag zur Gedenkstunde an die Promenadenstraße.

Georg Salzburg

Zahlreiche Besucher, darunter viele Schüler, kamen am Dienstag zur Gedenkstunde an die Promenadenstraße.

Neuss. Nalan Öncel und Jan Schlössser berichten von Lotte und Ilse, von Manfred und Ruth, alle aus Neuss. Die beiden Schüler der Klasse 8a der Geschwister-Scholl-Hauptschule erinnern an Juden, so alt wie sie selbst, die gedemütigt, verfolgt, ermordet wurden. Am Tag des Erinnerns an die Pogromnacht gestalteten die Schüler und ihr Lehrer Günter Simon die Gedenkstunde am Mahnmal an der Promenadenstraße.

Unmittelbar danach machten sie sich mit ihren Mitschülern auf den Weg nach Warschau. Dort werden sie mit einer Partnerschule, die auf dem Gelände des früheren Ghettos ihren Sitz hat, eine Woche Zeitzeugen befragen - und über die Verfolgung in jenen Jahren forschen, an die auch gestern wieder erinnert wurde.

Der Beginn der völligen Enthemmung

9.November 1938: Der Beginn der völligen Enthemmung, wie Bürgermeister Herbert Napp betont, der Tag, an dem jeder sehen konnte, dass Willkür und Gewalt gegenüber Juden staatsoffiziell geworden war. Doch viele wollten nicht hinsehen.

Dass die Erinnerung wachgehalten, dass an einem Miteinander ohne Rassismus gearbeitet werden muss, ist Mahnung des gestrigen Gedenktages. Bürgermeister Napp zitiert Johannes Rau: Arbeiten wir für ein Deutschland, in dem wir ohne Angst verschieden sein können, hatte der frühere Bundespräsident gesagt.

KZ-Überlebende in der Schule

Zu dieser Arbeit zählen auch Projekte wie die an der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Derikum. 470 Schüler haben sich dort über Monate intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt, waren im Stadtarchiv auf Spurensuche zu den Ereignisse in Neuss, hörten die Schilderungen der KZ-Überlebenden Zofia Lys aus Polen. Das alles habe ihn vor diesem Projekt kaum interessiert, bekennt Jan Schlösser dort, wo bis 1938 die Neusser Synagoge stand. Nun sei das ganz anders. Er verweist auf das Grundgesetz. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Dafür gelte es einzutreten.

Die Arbeit seiner und anderer Schulen würdigt Michael Szentei-Heise von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, zu der auch die in der Region Neuss lebenden Juden gehören, etwa 600 sind es derzeit. Mutmaßungen, der Aufbau eines Gemeindezentrums an der Leostraße komme nur schleppend voran, mochte Bürgermeister Herbert Napp an diesem Tag nicht gelten lassen. "Das Zentrum in der Nordstadt ist noch ein Provisorium. Ich glaube aber, dass es bald wieder eine vollständige Synagoge in Neuss geben wird."

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