Hans Christian Markert (Grüne): Atomlaufzeitverlängerung schwächt Stadtwerke

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Landtagsabgeordneter Hans Christian Markert (Grüne) mit Wahlkreis in Neuss.

Landtagsabgeordneter Hans Christian Markert (Grüne) mit Wahlkreis in Neuss.

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Landtagsabgeordneter Hans Christian Markert (Grüne) mit Wahlkreis in Neuss.

Neuss. Atomlaufzeitverlängerung und Castortransport, Energiedebatte und neue Endlagerdiskussion: Das sind die Themen von Hans Christian Markert, die derzeit besondere Aktualität erhalten haben. Der grüne Landtagsabgeordnete mit Neusser Wahlkreis ist Sprecher seiner Fraktion für Umwelt- und Verbraucherschutzthemen sowie die Anti-Atompolitik.

In der von Rot-Grün beantragten aktuellen Stunde zur Atompolitik der Bundesregierung im Landtag hat er die Position seiner Fraktion vertreten. Und ist dort auf seinen Neusser Abgeordneten-Kollegen Jörg Geerlings (CDU) getroffen, der zu diesem Thema seine Jungfernrede hielt. "Scheinheilig" nannte der Neusser CDU-Chef die Debatte, was Markert erzürnt: Die Atomlaufzeitverlängerung, "der Atomdeal", wie er sagt, schwäche nicht zuletzt massiv die Stadtwerke, auch in Neuss. "Hier wird das tolle Engagement der SWN in Sachen erneuerbare Energien, Kraft-Wärme-Kopplung, Biogas-Anlage massiv erschwert. Für die Position von Geerlings als Aufsichtsratsvorsitzenden habe ich da nur ein Kopfschütteln."

Generell verweist Markert darauf, dass es in Nordrhein-Westfalen zwar ("gottlob") kein Atomkraftwerk in Betrieb gebe. "Aber wir haben alles, was zur Kernstoff-Kette dazugehört."

Der Abgeordnete listet auf: Die Anreicherungsanlage in Gronau, in der Natur-Uran unter Einsatz von Radioaktivität angereichert werde, das Zwischenlager Ahaus für mittel- und schwach radioaktiven Abfall, die "Konditionierungsanlage" in Duisburg, in der - "nah an einem Wohngebiet" - radioaktiver Abfall "umgepackt" werde, schließlich die Forschungsanlage in Jülich, wo der alte Kernreaktor für 60 Jahre in einer Halle unter Verschluss stehe.

Hans Christian Markert verfolgt die Diskussion mit großem Interesse. Die Anti-AKW-Bewegung, so der Grüne, habe Zuspruch wie seit Jahrzehnten nicht: Folge des "durchgepeitschten Beschlusses" zur Atomlaufzeitverlängerung, der ungelösten Endlagerfrage, die dadurch noch eine ganz andere Dimension erfahre. "Es passiert etwas bei der Debatte in die Gesellschaft hinein", sagt Markert: "nur eine neue Offenheit im konservativen Lager erkenne ich noch nicht." Das bezieht er auch auf den neuen CDU-Landesvorsitzenden Norbert Röttgen, der als Bundesumweltminister einst als ökologisch offen galt - "und jetzt hat er sich disqualifiziert."

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