Kammerakademie begeistert das Publikum mit einem Programm von Lehár bis Strauss.

Die Kammerakademie in der Stadthalle.
Die Kammerakademie in der Stadthalle.

Die Kammerakademie in der Stadthalle.

Stefan Büntig

Die Kammerakademie in der Stadthalle.

Neuss. Mit geschlossenen Augen und viel Fantasie ist es fast so, als säße man im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins: Die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN) entführte die Zuhörer beim traditionellen Neujahrskonzert am Sonntag ins historische Wien. Trotz Eis und Schnee blieb in der Stadthalle kaum ein Platz frei.

Der Venezianer Casanova, so sagte es Bürgermeister Herbert Napp in seiner Ansprache, habe es bei den Wiener Frauen erstaunlich schwer gehabt. Casanova, der als Deutscher wohl Herr Neuhaus geheißen hätte, scherzte Napp, habe vor seiner Karriere als Verführer Priester werden wollen. Dieser Berufsweg habe jedoch ein jähes Ende gefunden, nachdem er betrunken von der Kanzel gefallen sei. "Italiener sind eben keine Rheinländer", amüsierte Napp den Saal.

Das Konzert startete mit der Fledermaus-Ouvertüre von Johann Strauss. Ganz plastisch und plausibel klang alles, was die Präzision des Zusammenspiels, die ständigen Tempowechsel angeht. Cellist Ramon Jaffé liebt zwar den Flamenco und sieht aus wie Antonio Banderas, stammt aber aus Riga. Der Lette hinterließ mit einer Romanze von Strauss einen souveränen Eindruck.

Einen in jeder Hinsicht großen Auftritt hatte auch Esther Kretzinger im zarten Seidenkleid im Puderton: die schöne Sopranistin, die an der Donau aufgewachsen ist, sang mit schöner Stimme ein Lied des Operettenkönigs Robert Stolz. "Glockenklar", lobte eine ältere Zuhörerin ganz entzückt noch in der Pause. Ebenfalls gelungen: die Arie aus der Operette "Die Lustige Witwe" von Franz Lehár. Die Arie aus der Fledermaus trug Kretzinger mit sicherer Sopranstimme unaufdringlich vor. Und so gab es nicht nur einen galanten Handkuss von Chefdirigent Lavard Skou Larsen, sondern auch rauschenden Applaus. Neben den klassischen Walzermelodien von Strauss und Lehár fielen auch lohnende Raritäten im Programm auf - wie etwa der spanische Walzer von Josef Hellmesberger.

Fazit: Das Orchester klang so beschwingt und gut, dass man fast bedauerte, dass das Konzert nach zwei kleinen Zugaben nicht noch weiterging. Das nächste Abokonzert findet am 7. Februar um 11Uhr im Zeughaus statt, dann übrigens wie auch schon am Sonntag mit drei neuen Stipendiaten. Ihre Vorgänger, deren Stipendium jetzt ausläuft, verabschiedete Napp mit einem Blumenstrauß.

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