Wegen der hohen Strompreise ist das Rheinwerk von der Schließung bedroht.

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Werksleiter Bernhard Eich hofft, dass der worst case nicht eintritt, und die Neusser Aluhütte erhalten bleibt. Mindestens 650 Arbeitsplätze hängen vom Strompreis ab.

Werksleiter Bernhard Eich hofft, dass der worst case nicht eintritt, und die Neusser Aluhütte erhalten bleibt. Mindestens 650 Arbeitsplätze hängen vom Strompreis ab.

Uli Engers

Werksleiter Bernhard Eich hofft, dass der worst case nicht eintritt, und die Neusser Aluhütte erhalten bleibt. Mindestens 650 Arbeitsplätze hängen vom Strompreis ab.

Neuss. Die hohen Strompreise bedrohen den Fortbestand des Rheinwerks von Hydro Aluminium in Neuss. 650 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, gefährdet sind auch 150 Stellen bei der Instandhaltung. Der Konzern hatte bereits am Freitag bekannt gegeben, Ende Januar die Jahresproduktion von Aluminium, die so genannte Elektrolyse, von 230 000 um 30 000 Tonnen pro Jahr zu verringern. Das ist eine Kürzung um 13 Prozent.

"Allein können wir das nicht mehr stemmen, wir brauchen ein Wunder", sagte gestern Hydro-Geschäftsführerin Irmtraud Pawlik. Der Konzern sei derzeit dabei, die Politik in Berlin und Energieversorger für alternative Lösungen zu mobilisieren.

Wegen der hohen Strompreise ist das Rheinwerk zur teuersten Hütte im internationalen Hydro-Verband geworden. Hydro erzeugt in Deutschlands größter deutscher Aluhütte in Neuss jährlich 224 000 Tonnen Flüssigmetall.

Das Werk verbraucht soviel Strom wie alle Düsseldorfer Privatkunden. Anders als im Ausland gibt es in Deutschland jedoch keine Sondertarife für die Industrie, bedauert Pawlik. Paradox: "Die Neusser Hütte wird im Konzern immer gelobt, da die Effizienz des Werks sehr hoch ist", erläutert Firmensprecher Michael Peter Steffen.

Die Nachfrage ist im Rheinwerk nach wie vor groß

Anders als bei Alu Norf oder dem Erftwerk sei man nicht direkt von der Krise betroffen, insofern seien auch die Auftragsbücher voll und die technischen Anlagen in gutem Zustand. Dafür schlagen die hohen Stromkosten gewaltig zu Buche. "Die Mitarbeiter wissen das seit Jahren", meint Steffen.

Der weltweit drittgrößte Aluminium-Hersteller beschäftigt 23 000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern, Hauptsitz ist Norwegen. Hydro beschäftigt im Rheinwerk Neuss 650 Mitarbeiter.

Der norwegische Konzern Norsk Hydro hat im letzten Quartal einen Ergebnisrückgang verbucht. Der Gewinn vor Steuern sank gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent auf 1,49 Milliarden norwegische Kronen, der Umsatz um 9 Prozent auf 21,77 Milliarden Kronen.

Die Energiekosten seien das wesentliche Problem bei der Produktion von Aluminium. Seit 2003 habe sich der Strompreis verdreifacht und mache nun 50 Prozent der Kosten aus. Zudem sei der Börsenpreis für Aluminium weltweit in den Keller gerauscht, das mache die Situation nicht einfacher. Schließlich soll in Jahr 2013 die Schonfrist im CO2-Zertifikatehandel enden. Bis dahin müsse man die Zeit gekonnt überbrücken.

"Jede Tonne Aluminium beschert uns hohe Verluste."

Irmgard Pawlik, Hydro

Mulmig wird Pawlik schon beim Gedanken in die nächste Zukunft: "Jede Tonne Aluminium beschert uns Verluste, daher müssen jetzt Maßnahmen ergriffen werden", sagt Pawlik. "Wir brauchen eine schnelle Lösung, um nicht auch andere Werke zu gefährden."

Anders als im Hamburger Walzwerk von Hydro sei Kurzarbeit in Neuss derzeit nicht geplant, die Verträge seien Anfang Januar bereits sozialverträglich von einer 42- auf eine 37,5-Stunden-Woche gesenkt worden. "Kurzarbeit kann in Neuss keine langfristige Lösung sein", betont Betriebsratsvorsitzender Günther Appelstiel. Von Zeitarbeitskräften habe man sich dagegen bereits getrennt. Pawlik hofft, dass der worst case, der schlimmste Fall, nicht eintrete - wenn es dennoch so weit komme, wolle man vorbereitet sein.

"Wir hoffen, dass wir bis Ende des ersten Quartals eine Lösung finden, auf ein Wunder können wir nicht warten", sagt Werksleiter Bernhard Eich. "Wir müssen Federn lassen, können aber auch gestärkt aus der Krise wieder hervorgehen."

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