Die Trasse verlief mal gestaltet wie im Mittelalter, mal gerade wie bei Römern und Franzosen.

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Die Niederstraße um 1905. Ein Foto der Ausstellung im Rathausfoyer.

Die Niederstraße um 1905. Ein Foto der Ausstellung im Rathausfoyer.

Stadtarchiv

Die Niederstraße um 1905. Ein Foto der Ausstellung im Rathausfoyer.

Neuss. 20 Millionen Euro hat die Erneuerung des Hauptstraßenzugs gekostet. Wie er sich in den vergangenen 100 Jahren verändert hat, ist eindrucksvoll anhand historischer Fotos im Rathausfoyer nachzuvollziehen. Doch was heißt schon 100 Jahre. Immer schon war diese Achse zentraler Punkt der Stadt. Demnach fast 2.000 Jahre.

Römischer Straßendamm war nur fünf Meter breit

Eine große Überraschung war es nicht, als während der Bauarbeiten auch Römisches zum Vorschein kam. Am Büchel entdeckte das Team um Stadtarchäologin Sabine Sauer vor dem Rathaus Reste der Rheinuferstraße, um die sich im ersten Jahrhundert die römische Zivilsiedlung gruppierte. Innerhalb der Siedlung war der befestigte Straßendamm nur fünf Meter breit. Die Trasse verlief bis zur Höhe der heutigen Kastellstraße gradlinig und schwenkte dann östlich entlang des Rheins ab.

Im 13. Jahrhundert wurde parzelliert

Wenig weiß man über die Zeit, nachdem die Römer ihr Lager verlassen hatten. Ab dem 9. Jahrhundert aber füllten Bewohner die alte Römertrasse wohl bis hin zur Höhe Obertor auf. Im frühen 13. Jahrhundert dann ein wirklicher Entwicklungsschub am "Hauptstraßenzug": Die Bevölkerungszahl stieg, schmale, langgestreckte Grundstücke wurden entlang der Straße parzelliert, es wurde "ordentlich" gebaut.

Anders als zu Römerzeiten gestalteten die Neusser ihre Hauptstraße, es gab Einbuchtungen, unterschiedliche Straßenbreiten von acht Metern an der Rottelsgasse bis 15 Metern in Höhe Glockhammer sowie leichte Bogenkonstruktionen. Sabine Sauer hat die Erklärung: Hier zeigte sich der Stolz der Neusser auf ihre Häuser - die sollten auch gesehen werden.

"Das war eine Abwrackprämie der Stadtplaner."

Sabine Sauer, Stadtarchäologin

Der nächste Wandel kam mit der Franzosenzeit. Zahlreiche Erlasse belegen: Die napoleonischen Herren wollten es gerade, übersichtlich, einheitlich. Die preußischen Beamten danach übrigens auch. Alte Bauten, die nicht in der neuen Fluchtlinie lagen, durften nicht mehr instandgesetzt werden, für Neubauten nach neuem Muster gab es manchmal sogar Beihilfen. Eine Art Abwrackprämie der Stadtplanung, so die Archäologin.

Nach 1945 erweiterte man dann das Straßenprofil stellenweise nochmals, die Zerstörungen machten das leicht. So wurden Häuser an der östlichen Oberstraße vor dem Markt oder an der Niederstraße zurückversetzt. Der Hauptstraßenzug des Jahres 2009 lässt, wenngleich eindeutig schöner geworden, vom Mittelalter-Gepräge nichts mehr erkennen. "Damals", so Sabine Sauer, "war es einfach schnuckeliger."

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