Sparmaßnahmen: Der Beratungsstelle für Arbeitslose an der Drususallee droht das Aus.

Angela Stein-Ulrich ist seit mehr als 20 Jahren in der Arbeitslosenberatung tätig.
Angela Stein-Ulrich ist seit mehr als 20 Jahren in der Arbeitslosenberatung tätig.

Angela Stein-Ulrich ist seit mehr als 20 Jahren in der Arbeitslosenberatung tätig.

Peter Langer

Angela Stein-Ulrich ist seit mehr als 20 Jahren in der Arbeitslosenberatung tätig.

Neuss. Montagvormittag, 10 Uhr, Drususallee. Auf dem Bürgersteig vor Hausnummer 81 drängen sich die Menschen. Sie alle sind "Notfälle", die im Schneegestöber vor der Tür der Arbeitslosenberatungsstelle stehen und warten. Ihr Anliegen lässt keine Zeit für einen Termin in zwei bis drei Wochen. Sie brauchen sofort Hilfe.

Im Dickicht der Zuständigkeiten

Theo Conrads ist einer dieser Notfälle. Schon seit halb zehn steht er draußen und weiß noch nicht, was ihn erwartet. Er weiß nur, dass die Arge ihm bei der Lösung seiner Probleme nicht helfen kann. "Wir leben von 200 Euro im Monat", sagt er.

Sein Sohn macht gerade den Hauptschulabschluss nach, findet keine Ausbildungsstelle, das Kindergeld wurde gestrichen, warum, weiß Theo Conrads nicht. Die Arge schickt ihn zum Jugendamt, das Jugendamt sieht die Zuständigkeit bei der Arge. Mit einen Schnellhefter voller Papiere unter dem Arm hofft er nun, dass ihm die Mitarbeiter der Arbeitslosenberatungsstelle helfen können.

Diese Hoffnung hegen an diesem Morgen viele. Als Mitarbeiterin Angela Stein-Ulrich um 10 Uhr die Tür zur Beratungsstelle öffnet, haben sich rund 20 weitere "Notfälle" zu Theo Conrads gesellt. Sie stapfen die Treppen in den zweiten Stock hoch, das Wartezimmer bietet nicht einmal der Hälfte der Leute Platz. Trotzdem will keiner gehen.

Aus ganz unterschiedlichen Gründen sind sie hier. Die eine braucht Hilfe beim Hartz-IV-Antrag, der andere will Widerspruch gegen eine Arge-Entscheidung einlegen. Melanie Goldschmidt hat Probleme mit der Heizkostenabrechnung.

"Der Betrag stimmt nicht", glaubt sie, blickt aber durch die Unterlagen nicht durch. Jetzt hofft sie, dass ihr bei der Arbeitslosenberatung geholfen wird. "Unser Ziel ist es nicht, die Arge zum Feind zu machen. Wir sehen uns eher als Vermittler", sagt Stein-Ulrich.

Die Mitarbeiter begleiten ihre Klienten auch zur Arge

Gemeinsam mit Karlheinz Kullick ist sie jedoch weit mehr als nur Vermittler. Die beiden sind Ratgeber und Fürsprecher, helfen beim Ausfüllen von Anträgen, erklären komplizierte Sachverhalte und kommen auch mit zur Arge.

So wie bei Lorenzo Bon. Dreimal ist er mit seinem Antrag auf Hartz-IV-Förderung zur Arge gegangen. Dreimal wurde der Antrag abgelehnt. Beim vierten Mal hat ihn Karlheinz Kullick begleitet. Diesmal wurde der Antrag bewilligt. "Vielleicht soll die Beratungsstelle ja nur geschlossen werden, weil irgendjemandem nicht passt, dass hier ständig Fehler aufgedeckt werden", vermutet Bon. Das verneint Stein-Ulrich.

 "Wir können und wollen nicht als Konkurrenz zur Arge auftreten. Dort sitzen Verwaltungsmitarbeiter, wir sind Sozialarbeiter. Wir verfolgen einen ganz anderen Ansatz", erklärt Stein-Ulrich. Eben deshalb sei das Angebot der Beratungsstelle nicht durch Arge-Mitarbeiter zu ersetzen.

"Die bitten uns manchmal von sich aus zu Gesprächen dazu", weiß Stein-Ulrich. Im letzten Jahr haben sie und ihr Kollege über 1400 Beratungen durchgeführt. Etliche Notfälle waren auch darunter.

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