Am Sonntag trägt sich der päpstliche Nuntius Claude Périsset ein.

Neuss. Golden ist es nur am Rand, sonst prägt dunkelrotes Leder den Band. Dennoch wird wohl niemand die offizielle Bezeichnung "Gästebuch der Stadt Neuss" verwenden. So ist am Sonntag auch der Apostolische Nuntius, Claude Périsset, eingeladen, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen. Die Seite auf dem Büttenpapier ist bereits angelegt.

Herausgegeben im Jahr 1963, als Neuss Großstadt wurde, war Ministerpräsident Franz Meyers der erste sich eintragende Gast. Kein Text, kein Gruß, schlicht "Meyers". Ohnehin raffen sich nur wenige auf, ihrem Namen - außer dem Titel - einen Gruß an die Stadt hinzuzufügen. Konstante Ausnahmen sind die Gäste aus der französischen Partnerstadt Chalôns.

Ausführlich und unverständlich: Gruß aus dem Iran

Das Gästebuch der Stadt wurde in den ersten Jahren äußerst selten benötigt. Der Direktor des Landschaftsverbands Rheinland 1968, Joseph Kardinal Höffner im Jahr darauf, dann war erst einmal drei Jahre Pause. 1972 hat der stellvertretende Ministerpräsident des Kaiserreichs Iran dann einen ausführlichen, für nicht Iranisch-kundige unverständlichen Gruß hinterlassen hat.

"Somptueux, charmant, fraternel" sei der Empfang gewesen, schreibt 1973 der Bischof von Chalôns: prächtig, charmant, brüderlich.

Der Landtagspräsident, Innenminister Willy Weyer, Otto von Habsburg als Präsident der Paneuropa-Union und der Exarch des Moskauer Patriarchates trugen sich ein, auch der Finanzminister von Jamaika, der seiner offiziellen Funktion eigenhändig "Leader of the Opposition" hinzufügte.

Viele Landes- und Bundesminister fülen die Seiten des Goldenen Buches, 1984 verewigte sich gleich das gesamte Landeskabinett, angeführt von Johannes Rau, anlässlich einer Arbeitssitzung in Neuss. Ein Jahr später trafen sich die CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden in Neuss und hinterließen Namen von Dregger, Vogel und Tandler bis Teufel.

Über mehrere Seite dann im Juli 1988 die Namen der jüdischen ehemaligen Neusser Bürger: eine lange Liste mit Namen wie Hoffmann, Bartlett, Rosenberg, Seligmann und Strauss.

1990 der erste Eintrag eines Künstlers: Yehudi Menuhin probte mit der Deutschen Kammerakademie. Gleich zweimal ist der Autor Dieter Wellershoff im Buch der Stadt vertreten: 1992 trug er sich anlässlich einer Lesung ein und nochmals zehn Jahre später, als er das Große Stadtsiegel in Silber erhielt.

Und Dank an die Hubertusschützen

"Zurück zum Ursprung", schrieb der Autor, und: "Dank an die Hubertusschützen für die musikalische Überraschung". Heather Mills und Paul McCartney agierten 2005 als Schirmherren der Benefizgala "Adopt-A-Minefield", und so ziert auch ein Ex-Beatle mit (damaliger) Ehefrau das Goldene Buch.

Königliches Geblüt ist einmal vertreten. "His Royal Highness The Prince Edward" kam 1993 und unterschrieb schlicht mit "Edward".

Hoher Besuch zur 2000-Jahr-Feier: Bundespräsident Karl Carstens und seine Frau Veronica weilten in Neuss, doch nur das Staatsoberhaupt trug sich ein. Helmut Kohl (1994), kaum lesbar, und Gerhard Schröder (2002) unterschrieben als Kanzler, Angela Merkel fehlt noch in dieser Reihe, doch trug sie sich, ebenfalls 2002, als CDU-Vorsitzende ein.

Aus nah und fern kamen diejenigen, die zur Unterschrift gebeten wurde. Die Fußballer aus Sansibar, der "erste Weltrekordler in der Geschichte des Neusser Sports" Thomas Rupprath, der große Cassius Clay, der Vizeminister für Städtebau aus Guatemala - und Landrat Dieter Patt. Eintrag im April 1997 "anlässlich seines Besuches in Neuss."

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