Ab Sonntag dokumentiert das Clemens-Sels-Museum das Stift St. Quirin und 800 Jahre Quirinus-Münster.

Thomas Ludewig, stellvertretender Leiter der Museums und Kurator Carl Pause präsentieren Fundstücke des Archäologen Hugo Borger.
Thomas Ludewig, stellvertretender Leiter der Museums und Kurator Carl Pause präsentieren Fundstücke des Archäologen Hugo Borger.

Thomas Ludewig, stellvertretender Leiter der Museums und Kurator Carl Pause präsentieren Fundstücke des Archäologen Hugo Borger.

Uli Engers

Thomas Ludewig, stellvertretender Leiter der Museums und Kurator Carl Pause präsentieren Fundstücke des Archäologen Hugo Borger.

Neuss. Nach der Sonderausstellung im Jahr 2000 zur Bedeutung des Heiligen Quirinus setzt das Clemens-Sels-Museum mit seiner Ausstellung "Nonnen, Bauleute, Pilger" nun einen neuen Akzent. Im Mittelpunkt steht das Münster: Ab Sonntag können Besucher erstmalig Ausgrabungs-Fundstücke besichtigen, die Rückschlüsse auf die 2000 Jahre alte Standort-Geschichte des Bauwerkes zulassen.

Zwischenstand der Fundstücke aus den 60er Jahren

Eigentlich ist es die Ausgrabung einer Ausgrabung: Seit genau 45 Jahren schlummern die Funde archäologischer Forschungen in und um das Münster sicher verwahrt in einem Museums-Depot. Es sind genau 470 Kisten mit zigtausenden von Scherben, Schmuck und Kleidungsstücken aus zwei Jahrtausenden, die nun wieder ausgepackt und von einer Forschungsgruppe der Uni München untersucht werden.

Dabei sollen die Fundstücke Auskunft über die Frage geben, wie es um die Existenz sehr früher christlicher Gemeinden im Westen Deutschlands bestellt war und ob es eine Kontinuität vom spätantiken Gräberfeld zu den karolingerzeitlichen Kirchenbauten gibt.

"Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, daher können wir im Rahmen des Stadtfestes ’Zeitsprünge’ erst einmal nur einen Zwischenstand der Auswertungen präsentieren", erklärt Museumsleiterin Uta Husmeier-Schirlitz. "Unsere Auswahl bereits ausgewerteter Fundstücke lässt aber bereits Rückschlüsse auf die Entwicklung der Stadt von der römischen bis zur frühmittelalterlichen Zeit zu", sagt Pause.

"Das sind Dinge, die heute auf dem Prüfstand stehen."

Carl Pause, Archäologe

Konkret geht es um die Frage, ob in den "dunklen Jahrhunderten" zwischen dem Abzug der Römer vom Rhein und der Kirchengründung rund um das Jahr 900 in der Region christlich gebetet wurde. Noch vor einer Forschergeneration wurden bescheidene Mauerreste unter den Fußböden rheinisch-romanischer Gotteshäuser - etwa in Bonn oder Xanten - oft als spätrömische oder karolingische Kirchen gesehen und die christliche Kontinuität des Westens damit gern betont. "Das sind Dinge, die heute auf dem Prüfstand stehen", sagt hingegen Archäologe Carl Pause.

Während des Stadtfestes am Sonntag erhalten alle Besucher ermäßigten Eintritt. Die Ausstellung läuft bis zum 29. August.

Am Sonntag dürfen sich Besucher der Ausstellung auf ein musikalisches Programm freuen. Beginn ist um 15 Uhr.

Die Ausgrabungsfundstücke aus den 60er Jahren werden zurzeit an der Uni München von einer Forschungsgruppe untersucht. Bernd Päffgen und Tanja Potthoff werden am 1. Juli einen Einblick in ihre Arbeit geben und erste Ergebnisse präsentieren. Kosten: 5,50 Euro, Beginn ist um 18.30 Uhr.

Die kleinen Museumsbesucher können sich die Zeit vertreiben, während die Eltern durch die Ausstellung streifen: In einer Kinderecke können sie die damaligen Bautechniken gleich selbst ausprobieren.

1847 entdeckte man bei Ausgrabungen auf dem Gelände des heutigen St. Josef-Krankenhauses eine Frauenbestattung in einem spätrömischen Sarkophag. "Unter den Grabbeigaben befand sich ein Goldglaskästchen aus dem Jahr 400 mit christlichen Darstellungen, das Rückschlüsse auf die religiöse Orientierung der Bestatteten zulässt", erklärt Pause.

Das Museum ist mehr als ein Wahrzeichen

Ende des 12.Jahrhunderts wandelte sich das entstandene Kloster in ein Damenstift mit weniger strengen Regeln. Wie jung die Damen gewesen sein müssen, zeigt ein Fund aus dem 17./18. Jahrhundert: "Mit den gefundenen Murmeln haben sich die Mädchen wohl die Zeit vertrieben", sagt Pause. Im Spätmittelalter erlangte das Münster große Bedeutung als geistliches Zentrum.

Die Wallfahrt zum heiligen Quirinus nahm zu, tausende Pilger suchten die Quirinus-Reliquien in der Kirche auf und machten damit das Münster in ganz Europa bekannt. Heute, sagt der stellvertretende Museumsleiter Thomas Ludewig, sei das Münster nicht nur Wahrzeichen der Stadt. Es sei zudem "ein Stück Identität" geworden.

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