Viel Applaus in der Stadthalle: Ihren Höhepunkt erreichte die Traditionssitzung mit dem Auftritt des ABC-Trios.

Neuss. Ausgelassen tanzen Freibeuter, Leichtmatrosen und Piratenbräute zu den Liedern der Räuber. Die Neusser Narren klatschen den Rhythmus zur Musik euphorisch mit, liegen sich in den Armen - da wird geschunkelt, gesungen und geprostet.

Solide und unaufgeregt führte BKG-Präsident Christian Henke durch den 81. Nüsser Ovend in der Stadthalle, Hans Rütten wurde an dieser Stelle nicht vermisst. Der Auftakt der Koblenzer Tanzformation Rheinfeuer war vielversprechend, auch wenn er gleich für Überlänge sorgte.

Die Showtanzgruppe war das erste Mal von Literat Markus von Werden verpflichtet worden. Der häufige Kostümwechsel der Gruppe traf aber wohl nicht jeden Geschmack: "Sind wir hier im Musical?" lästerte ein Pirat aus dem Publikum.

Eine überzeugende Leistung bot erneut Christoph Kleinau, der zum vierten Mal als Prologius auftrat, und dem es gelang, das Publikum auf seine Sichtweise der Wirklichkeit einzupendeln: "Die Union nun, die ist schlicht nervös. Sie fürcht’ um die Mehrheit, fast kann mans’ erschnüffeln, dass der Wähler sie - wie in Bayern - tut rüffeln."

Groß war der Jubel, als die Räuber ihren Kultsong "Wer hat mir die Rose auf den Hintern tätowiert” anstimmten. Noch eine Zugabe und dann packten die Musiker ihre Gitarren in die Koffer und eilten zum nächsten Auftritt.

Peter Rüttgers enttäuschte: Der Hoppeditz musste förmlich die Aufmerksamkeit seines Publikums erzwingen. Brüller produzierte er keine, neu war seine Sicht der Dinge nicht. Das Pointenschnellfeuer produzierten andere: allen voran das ABC-Trio.

Frei von der Leber weg wurde da gelästert, was das Zeug hält: In grandioser Weise sangen sich die "drei irren Ärzte" durch die Welt der Psychotherapie und luden musikalisch zur Gruppentherapie. Schließlich sei ganz Neuss eine Anstalt. Karlheinz Ackermann (Fachgebiet: Schützophonie), Hermann-Josef Baaken (Forschungsgebiet: der Hautausschuss und seine Nebenwirkungen) und Cornel Hüsch (Facharzt für Pathologie und Nappologie) überzeugten nicht nur mit kantigen Gags, auch bei der Requisite ihrer verschiedenenen Arrangements zeigte das Trio feines Gespür.

Sie besangen den Body-Maß-Index von Hermann Gröhe im Kanzleramt, das Faultier, das im Körper eines Planungsdezernenten gefangen ist und den amtierenden Schützenkönig - bei ihm gibt es erste Anzeichen von Fracksausen und Nickelallergie.

Für Lacher sorgte auch wieder Babsi aus dem Sonnenstudio alias Sabine Leuker, die sich über fehlende Park- und Pinkelmöglichkeiten in der Innenstadt beschwerte. Ein kunterbuntes Programm präsentierte die Düsseldorfer KG Regenbogen mit dem ersten schwulen Gardetanzpaar Deutschlands. Die tanzenden Männer aus Düsseldorf kamen mit ihrer Show in Neuss gut an, allein Monsignore Guido Assmann würdigte den bunten Auftritt mit keinem Blick.

Einen fröhlichen Schlussakzent setzte die original Tanzgruppe Kölsch Hännes’chen und Trompeter Bruce Kapusta.

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