Die Arbeit der Streetworker im Stadtteil ist durch Kürzungen gefährdet.

Neuss. Über Jahre hinweg waren sie für andere da. Haben bei Wohnungsproblemen geholfen, sind mit zur Drogenberatung gegangen, haben einen Ausbildungsplatz besorgt. Jetzt, da die Streetworker selbst Hilfe brauchen, sind Sarah, Souad, Dennis, Oliver und Daniel gekommen, um sie zu unterstützen.

"Wenn die Streetworker gehen, gibt es hier wieder Chaos."

Dennis

"Wenn die Streetworker gehen, gibt es hier wieder Chaos. Schreiben Sie das", sagt Dennis. Die anderen Jugendlichen im Bauwagen nicken zustimmend.

Seit einigen Jahren ist der weiße Wagen an der Lechenicher Straße in Erfttal zum Anlaufpunkt für Menschen mit Problemen geworden. Wenn es nach den Plänen der Verwaltung geht, könnte sich das bald ändern.

Der Betrag von 185000 Euro für die Personalkosten soll auf etwa 70000 Euro reduziert werden. Davon können vier Streetworker nicht bezahlt werden.

Da kann Ridvan "Richie" Ucar nur den Kopf schütteln. "Das Problem ist: Wir bringen kein Geld. Zumindest keines, das sichtbar ist", sagt der Streetworker.

"Aber was ist mit den Menschen, denen wir eine Arbeitsstelle vermittelt haben und die jetzt nicht mehr dem Staat auf der Tasche liegen? Was ist mit den Jugendlichen, die durch unsere Hilfe von der Straße weggekommen sind? Zählt das alles nichts?" Er spricht von Folgekosten und von neuen Jugendlichen, die Hilfe brauchen. Immer wieder schüttelt er den Kopf.

Eine, die von der Streeworker-Arbeit profitiert hat, ist die 18-jährige Sarah. "Letztes Jahr bin ich zu Hause raus. Streit mit der Mutter, Ärger mit dem Stiefvater", erzählt sie.

"Wenn es Ellen und Richie nicht gegeben hätte, weiß ich nicht, was aus mir geworden wäre", sagt sie. "Sie sind mit mir zum Jugendamt und zur pädagogischen Ambulanz gegangen, allein hätte ich mich das nicht getraut."

Auch Souad weiß nicht, was ohne die Streetworker passiert wäre. "Nach dem Abi hab ich nur Absagen bekommen." Richie vermittelte ihr ein Praktikum an der Düsseldorfer Uniklinik. In drei Monaten beginnt sie dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester.

Beide Mädchen kommen aus Erfttal, ebenso wie Daniel. Er hat bereits eine Ausbildung begonnen. "Weil mir die Streetworker bei den Bewerbungen geholfen haben und wir für Einstellungstests geübt haben." In der Schule bekam er diese Hilfe nicht.

Seit rund sechs Jahren gibt es Streetworker in Neuss. Büros haben sie nicht, "unsere Arbeit findet draußen statt", sagt Marion Hardegen. Ungezählt sind die Menschen, die sie zur Arge begleitet hat, zum Jugendamt, zur Gerichtsverhandlung.

"Es geht nicht darum zu sagen, wo man Hilfe bekommt. Das reicht nicht, weil viele Angst vor Behörden haben. Wir gehen mit unseren Klienten dorthin, stehen das gemeinsam durch", erklärt sie. Auch Dennis ist in Begleitung eines Streetworkers zur Arge gegangen. Er sagt aus bitterer Erfahrung: "Wenn ein Streetworker mitkommt, dann wird man gleich anders behandelt."

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