Im Globe-Theater beginnen die Festspiele am 5. Juni mit dem Sommernachtstraum – auf einer Baustelle.

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Zum Auftakt: Ein Sommernachtstraum der Bayerischen Theaterakademie August Everding.

Zum Auftakt: Ein Sommernachtstraum der Bayerischen Theaterakademie August Everding.

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Zum Auftakt: Ein Sommernachtstraum der Bayerischen Theaterakademie August Everding.

Neuss. Im vergangenen Jahr volljährig geworden, in diesem Jahr wieder etwas Besonderes: Das 19. Shakespeare-Festival wird zum Baustellen-Fest. Im Zuge der Rennbahn-Umgestaltung müssen die Theaterfreunde mit Bauarbeiten-Atmosphäre zurechtkommen.

Das tut allerdings dem Optimismus der Veranstalter keinen Abbruch. Wieder hat Festivalleiter Rainer Wiertz ein kontrastreiches Programm zusammengestellt. Das Festival im Globe zieht die Compagnien an - und sicherlich ebenso wieder das Publikum.

Zum Auftakt: Bayerisches

Den Sommernachtstraum präsentiert die Bayerische Theaterakademie August Everding in zweifacher Ausgabe: einmal als das Shakes-peare’sche Original, die "Münchner Kultaufführung des vergangenen Sommers", so Wiertz: kurz, knapp und frech, das Ganze in spannendem Kontrast zur Schlegelschen Übersetzung. Ergänzt wird das durch die Semi-Oper Fairy Queen, die Henry Purcell 1692 komponierte.

Selten gespielt: Heinrich VIII.

Als "kleine Sensation" kündigt Wiertz das Drama "HeinrichVIII." an, das erstmals seit 1927 in Deutschland gespielt wird. Shakespeare und Partner aus Berlin bringen das Intrigen-Werk auf die Bühne - mit einem reinen Männer-Ensemble.

Melancholisch: Gamben-Konzert

Einblicke in die dunkle Seite der elisabethanischen Zeit verspricht der Festivalleiter mit dem Konzert "In Darkness Let Me Dwell, bei dem Gambistin Hille Perl mit Begleitung die Kompositionen von John Dowland umsetzt.

Unverzichtbar: Die Bremer

Zu den Festival-Mitbegründern zählt die bremer shakespeare company. Von Beginn an ist die Truppe jedes Jahr dabei. Dieses Mal präsentieren sie "Maß für Maß", nicht eben häufig gespieltes Werk über Sittenverfall und staatliche Willkür.

Wandlungsfähig: Roméo

Die Compagnie Los Figaros aus Avignon, 2008 im Globe umjubelt, spielt rasant und respektlos ihre Interpretation von "Roméo et Juliette". Drei Schauspieler zeigen alle und alles.

Noch einmal: R & J

Anderer Titel, neue Wege, dasselbe Stück. Das junge This Bridge Theatre aus Phoenix, Arizona, verlegt in "R&J" die Rahmenhandlung in ein Internat, in dem die Schüler eben jenes Stück spielen. Was die Festivalmacher nicht ahnten: Auch 2009 ist "Romeo und Julia" wieder Stoff im Zentralabitur...

Aus London: Globe Touring

Mit dem Bulli kommen sie nicht nochmal: Die Globe Touring Company aus London bringt in diesem Jahr Comedy of Errors. "Second Chance", sagt Rainer Wiertz, denn von Romeo war er nicht begeistert.

Ein Highlight: Der Kaufmann

Die Aufführung könnte zum Highlight des Festivals werden. Die Männertruppe der Watermill Propeller Company aus Newbury zeigt als Doppelpack "A Midsummer Night’s Dream" und "The Merchant of Venice": Venedig als "ein Gefängnis voller Testosteron", so Wiertz, der von einer bahnbrechenden Inszenierung spricht.

Sehr klein: aber besonders

Zwei in England lebende Schauspieler aus Simbabwe sind "Zwei Herren aus Verona" - und bewältigen ein gutes Dutzend weiterer Rollen.

Zum Abschluss: Ein Happy End

"Verlorene Liebesmüh" bringt das Potsdamer Poetenpack ins Globe: androgyne Ironie gegen männliches Pathos.

Wie immer: Die Lectures

Ohne das geht’s nicht. Patrick Spottiswoode bietet mit seinen "Lectures" die ebenso humorvolle wie profunde Einführung in Shakespeares Werk.

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