Werte zur erwarteten Geschäftslage stürzen ab. Kammer wehrt sich gegen eine „Infektion der Angst“.

Von der Schließung bedroht: das Rheinwerk von Hydro Aluminium.
Von der Schließung bedroht: das Rheinwerk von Hydro Aluminium.

Von der Schließung bedroht: das Rheinwerk von Hydro Aluminium.

Von der Schließung bedroht: das Rheinwerk von Hydro Aluminium.

Neuss/Düsseldorf. Die Zahlen und Indikatoren waren erwartungsgemäß schlecht. Heftig wie nie zuvor ist der Geschäftsklimaindex in den beiden IHK-Bezirken Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein abgestürzt. Die Meldungen der Unternehmer zur aktuellen und zur erwarteten Geschäftslage fließen in diesen Index ein. Er sackte von 134 auf 59 Punkte ab. Befragt wurden 1000 Unternehmen mit 100.000 Mitarbeitern.

IHK: Wir haben hier die Rezession

Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, war ebenso wie sein Düsseldorfer Kollege Udo Siepmann bemüht, von Umbruch statt von Krise zu reden. Man wolle mit weiteren Negativmeldungen nicht noch einer "Infektion der Angst" Vorschub leisten. Dennoch musste Porschen konstatieren: "Wir reden nicht nur über Stimmung.

Wir haben hier die Rezession." Nur jeder zehnte Unternehmer aus der Region meldet noch steigende Auftragszahlen, Rückgänge nennen 62 Prozent der Betriebe. Betroffen von der Negativentwicklung sind Binnen- wie Auslandsnachfrage.

Am besten steht noch die Bauwirtschaft da

Der Einbruch, so Porschen, sei branchenübergreifend, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Am stärksten betroffen zeigt sich die Industrie, "relativ am besten" steht die Bauwirtschaft da. Auch Groß- und Einzelhandel seien noch "relativ stabil".

Eine gute Geschäftslage melden zurzeit nur noch 16Prozent der Betriebe; vor einem Jahr waren es noch 52 Prozent. Zu einem massiven Stellenabbau ist es noch nicht gekommen. Auch die oft angekündigte Kreditklemme sei im Bereich der IHK nicht spürbar.

Das Rheinwerk von Hydro wird schrittweise stillgelegt - falls sich nicht "die relevanten Rahmenbedingungen fundamental verbessern." Das ist Ergebnis der gestrigen Aufsichtsratsitzung von Hydro Deutschland. Das Gremium folgte der Forderung der norwegischen Konzernspitze. Es geht um einen Zeitraum von etwa zwei Monaten. Die Fertigung der zur Elektrolyse nötigen Anoden wird vermindert, während die Gießerei weiterhin Metall einschmelzen und Walzbarren gießen wird, um die benachbarten Walzwerke zu bedienen. Wegen hoher Strom- und sinkender Aluminiumpreise entsteht im Rheinwerk derzeit pro Tag ein Verlust von 300.000 Euro. Nach Firmenangaben werden derzeit mit dem Betriebsrat Gespräche über Lösungen für die 500 Beschäftigten in der Aluminiumerzeugung geführt. Eine Schließung der Gießerei mit 140 Mitarbeitern sei dagegen unwahrscheinlich.

Andererseits wirkten sich auch keine positiven Effekte aus: "Die Auswirkungen der Geldpolitik sind noch nicht beim Kunden angekommen", sagte Siepmann. Und auch die Folgen der beiden Konjunkturprogramme - das zweite noch nicht verabschiedet - werden noch auf sich warten lassen. Abwrackprämie? Die hat sich auch am Niederrhein und in Düsseldorf bemerkbar gemacht. Für die Kammer ist das allerdings ein Einmaleffekt, "eine Atempause, die Zeit zum Nachdenken schafft", so Siepmann.

Die "Konjunktur auf Talfahrt", wie der IHK-Bericht überschrieben ist, zeigt sich im Neuss exemplarisch am bedrohten Hydro-Rheinwerk. Hier werde, betont Dieter Porschen, ein Auseinanderklaffen guter Konjunktur- und teilweise "völlig unverständlicher" Strukturpolitik deutlich: Dazu zähle auch das Festhalten am Emissionshandel ab 2013, "ein De-Industrialisierungsprogramm für Aluminiumindustrie, Chemie und Textil. Ein hochrangiges Ärgernis."

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