Friedhof: Am Glehner Weg werden seit jeher jüdische Neusser bestattet. Nach langen Jahren gibt es wieder neue Gräber.

Am Glehner Weg liegt der alte jüdische Friedhof der Stadt.
Am Glehner Weg liegt der alte jüdische Friedhof der Stadt.

Am Glehner Weg liegt der alte jüdische Friedhof der Stadt.

Georg Salzburg

Am Glehner Weg liegt der alte jüdische Friedhof der Stadt.

Neuss. November, die Zeit der Friedhöfe. Überall sind die Gräber geschmückt, gedenken gerade in diesem Monat Angehörige und Freunde der Verstorbenen. 14 Friedhöfe gibt es in Neuss. Direkt gegenüber des großen Hauptfriedhofs liegt am Glehner Weg einer, der wenig Beachtung findet. Juden aus Neuss werden hier seit langem beerdigt - mit einer langen Unterbrechung. Die Nationalsozialisten hielten penibel fest: 1943 war Neuss "judenrein".

Viele Inschriften sind nicht mehr zu lesen

Cohn, Stein und Levi, Kaufmann, Winter, Rosenberg, Schieren sind die Namen auf den Grabsteinen, von denen viele so verwittert sind, dass ihre deutschen wie hebräischen Inschriften nicht mehr zu lesen sind. Unter dem Laub der Birken, teils umrankt von Efeu finden sich vereinzelt Hinweise auf diese Neusser: "Er starb fürs Vaterland", so ein Grabstein aus dem Jahr 1914.

Oder: "Er glich einer Eiche". Viele hebräischen Inschriften bleiben dem nicht-jüdischen Besucher in ihrer Bedeutung verborgen. Stefan Rohrbacher, Verfasser des Werkes "Juden in Neuss" und Gemeinderatsvorsitzender der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, zu der auch die Neusser Juden gehören, hat 212 Grabsteine erfasst und Inschriften übersetzt. Etwa die von Nathan Simons: "sichere Zuflucht der Elenden und Wohltäter seiner Gemeinde, das ist Nathan, Sohn des Moses". Der Mühlenbesitzer starb 1883.

Am Glehner Weg ist auch Aaron Heumann begraben. Der Händler, dessen Wohnung an der Promenadenstraße 1938 verwüstet wurde, starb 1940 an den Folgen einer Misshandlung durch einen Nachbarn.

227 Juden lebten nach der Recherche von Stefan Rohrbacher 1933 in Neuss, die meisten als Händler und Geschäftsleute geachtete Bürger der Stadt. Nach Kriegsende gab es keine Juden mehr in Neuss, der Friedhof war verwüstet. Und noch vor 20 Jahren, so berichtet Michael Szentei-Heise, Geschäftsführer der Düsseldorfer Gemeinde, gab es "nur zwei Handvoll Juden in der Stadt".

Jetzt sind es 610 Menschen im Rhein-Kreis, der überwiegende Teil lebt in Neuss selbst. Und so sind auch wieder neue Gräber auf diesem Friedhof entstanden. Fast wie ein Fremdkörper inmitten der alten Steine, die von einer Zeit künden, als Namen wie Cohn, Levi und Rosenberg zum Neusser Stadtleben dazugehörten.

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