Ständige Sammlung wird in teils überraschender Form präsentiert.

Neuss. Der Anspruch der Museumsdirektorin ist hoch, ihr Mut, die ständige Sammlung des Clemens-Sels-Museums ganz neu zu präsentieren, beträchtlich. Wenn der Besucher sich darauf einlässt, werden ihm "Erlebniswelten" versprochen: neue Einblicke durch gattungsübergreifende, die Chronologie durchbrechende Zusammenstellungen.

Neu, aber einheitlich präsentiert sich das Foyer. Konzeptionelle Farbmalerei statt Campendonk und Schmurr: Gezeigt werden Arbeiten von Marcia Hafif oder Phil Sims. Der Gartensaal dient als Bühne für Arbeiten von Jürgen Paatz. Sie hoffe, dass sich die Besucher "der Herausforderung stellen, sich zu versenken und dann eintauchen in die Ausstrahlung von Farben", so Uta Husmeier-Schirlitz.

So gleich in den Sehgewohnheiten beruhigt und zur Konzentration bewegt, ist der Besucher eingestellt auf die neue Präsentation im ersten Obergeschoss.

Der Heilige Julian vom vom Fußbodenlack befreit

Hier empfängt ihn der großformatige Heilige Julian des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk: Das bedeutende Werk, das die frühere Museumschefin Irmgard Feldhaus erwarb, ohne einen Platz dafür zu haben, hing bis 1975 im Nelly-Sachs-Gymnasium, anschließend dann hoch oben im Foyer des neuen Museums. Nun ist der Kunstfreund nicht nur auf Augenhöhe mit dem poetischen Bild, er sieht auch ein umfangreich restauriertes Werk - war doch der "Julian" zuvor mit Fußbodenlack gefirnisst. Weitere Arbeiten des Expressionisten belegen die Werkgeschichte, zeigen Beispiele verworfener Bilder, die als Rückseite neuer Arbeiten verwendet wurde.

Werke der Präraffaeliten und Symbolisten aus der bedeutenden Sammlung des Hauses werden nun ganz im Sinne der "Erlebniswelten" mit Arbeiten, die zunächst unpassend erscheinen mögen, kombiniert. Da ergänzt ein der Farbe Rot gewidmetes Bild der US-Konzeptmalerin Hafif eine Pietà von Gustav Moreau (1895). "Farbe muss geträumt werden", sagt Uta Husmeier-Schirlitz und verweist auf Verbindungen. Blumensymbolik und Marientypus verbinden nebeneinander gezeigte Arbeiten von Edward Burne-Jones und Dante Gabriel Rosetti sowie die berühmte Maria mit Kind aus dem Umfeld von Rogier von der Weyden aus dem 15. Jahrhundert.

Neu im ersten Obergeschoss ist ein der Grafik vorbehaltenes Kabinett, das wie ein Ruheraum wirkt. Hier werden zunächst Arbeiten von Max Ernst gezeigt.

Das zweite Obergeschoss bleibt den Wechselausstellungen vorbehalten. Hier endet am Sonntag die Puzzleausstellung "Gebt, Götter, mir Geduld."

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