Archäologe und Vermesser zeigen die Anlage im 16. Jahrhundert.

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Das Quirinusmünster mit dem Damenstift samt Nebengebäuden, rechts hin zum Markt die Kapelle. 3-D-Rekonstruktion der Stiftsimmunität, Stand 1586: Martin Stitz, Stadt Neuss, LVN

Das Quirinusmünster mit dem Damenstift samt Nebengebäuden, rechts hin zum Markt die Kapelle. 3-D-Rekonstruktion der Stiftsimmunität, Stand 1586: Martin Stitz, Stadt Neuss, LVN

Das Quirinusmünster mit dem Damenstift samt Nebengebäuden, rechts hin zum Markt die Kapelle. 3-D-Rekonstruktion der Stiftsimmunität, Stand 1586: Martin Stitz, Stadt Neuss, LVN

Neuss. Es gibt einige wenige Pläne und Zeichnungen, archäologische Ausgrabungen, dürftige Beschreibungen im Schriftgut. Das reichte Carl Pause und Martin Stitz, ein ehrgeiziges Projekt anzugehen: Die 3-D-Rekonstruktion des Damenstifts von St.Quirin ist mittlerweile fast fertiggestellt. Der Archäologe aus dem Clemens-Sels-Museum und der städtische Vermesser haben damit wieder einmal ein markantes Beispiel Neusser Geschichte sichtbar gemacht.

Ein Projekt mit vielen Unwägbarkeiten. Das Damenstift entstand ab 1209 parallel zum großen Kirchenbau. Aus dieser Zeit gibt es keinerlei Darstellungen.

Ältestes Dokument ist der Hogenberg-Plan von 1586, der die Stadt vor dem großen Brand zeigt: so natürlich die Kirche, so auch das Damenstift mit der Klausur, Wirtschaftsgebäuden und einer Kapelle, die bei dem Brand zerstört wurde.

Ein Grundriss der Anlage, erhalten nur als Kopie, datiert aus der Franzosenzeit: Die Besatzer ließen Klöster im Zuge der Säkularisation taxieren. Grabungsfunde, vor allem aus den 60er Jahren, haben den beiden "Konstrukteuren" ebenfalls weitergeholfen.

So wird jetzt in der Animation neben St.Quirin mit seinem noch hochgestreckten Turm - und ohne die erst im 18.Jahrhundert erbaute Kuppel - die Klausur der adligen Damen sichtbar: ein großer Komplex, der wie die Kirche die Bedeutung des Stifts im Mittelalter und in der frühen Neuzeit spiegelt.

Die Lage des Kreuzgangs, die Zahl der Geschosse, die Gestaltung der Fenster wurde Stück für Stück rekonstruiert. Carl Pause schränkt allerdings ein: Im Laufe der Jahrhunderte wurde immer wieder umgebaut.

Die Nebengebäude als Verwaltungshaus und Lager für Güter aus dem umfangreichen Grundbesitz, die die Stiftsimmunität hin zum Glockhammer beschränkten, die kleinen Wohnhäuser der Kanoniker in Richtung der Stadtmauer, die Kapelle zwischen Krämerstraße, Freithof und Markt sind (fast) spurlos verschwunden. So auch ein überdachter Gang, der in einem Türmchen endet: das Kloakenhaus oder "heimliche Örtchen" für die Damen.

Klausur und Nebengebäude wurden im Zuge der Säkularisation abgerissen. Schon 1794 kamen die Franzosen in die Stadt, nutzten die Klausur als Pferdestall, die Kirche als Getreidelager, ließen aber Gottesdienste in der Krypta zu. Der Abschuss des Quirinus von der Kuppel konnte gerade noch verhindert werden.

Das Stift mit den zuletzt nur noch sieben Damen aber hatte ausgedient. Besitz und Gebäude wurden versteigert, die Stadt ließ die Bauten abreißen und verkaufte die Baustoffe. 800 Jahre nach dem Entstehen, gut 200 Jahre nach dem Ende hat das Duo Pause/Stitz jetzt ganz neue Blicke auf das Damenstift ermöglicht.

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