Neuss. Der Erfinder der Puzzles kommt aus England. Ein Kupferstecher klebte 1763 Karten von England und Wales auf Holz, zersägte sie und ließ sie von seinen Schülern im Hausunterricht wieder zusammensetzen. Zusammensetzspiele gibt es seit der Antike, das klassische Puzzle aber hat seit der Innovation aus London seinen Siegeszug angetreten. Im Clemens-Sels-Museum öffnet am Sonntag die Ausstellung "Gebt, Götter, mir Geduld!", die die Entwicklung über Jahrhunderte aufzeigt: spannend, überraschend und vielseitig.

Eindeutig steht in der frühen Puzzle-Zeit der Nutzen über dem Spaß. Die Kinder des begüterten Bürgertums sollten lernen: vor allem Ländergrenzen erkennen, Könige zuordnen, später kamen erzieherische Botschaften über diverse Allegorien hinzu. Geduld, Konzentration und Feinmotorik wurden außerdem erprobt.

Im Biedermeier wird das Puzzle zum Familienspiel

In der Biedermeierzeit, in Deutschland die große Zeit der Familie und des Rückzugs ins Private, wird in der guten Stube dann auch tatsächlich gespielt. Sperrholz macht die Spiele preiswerter, die Nachfrage wächst, und in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts wird das "Combinationsspiel" zunehmend auch eine Angelegenheit für die Erwachsenen. Es findet Einzug in die Salons, man trifft sich und setzt die Bilder zusammen - natürlich mit mehr Teilen und anderen Motiven als bei den Kinderspielen.

Hindenburg in Teilen für die Soldaten an der Front

Das alles wird in der Ausstellung mit zahlreichen Beispielen anschaulich belegt. Puzzle-Landkarten sind zu sehen, historische Darstellungen, es geht um Sitte und Moral wie um religiöse Szenen. Silhouttenpuzzle werden gezeigt, ein Schiff in Schichten, das es zu entdecken gilt. Im Ersten Weltkrieg schickte das Oberkommando der Wehrmacht den Soldaten Puzzles in feldgrauen Kästchen an die Front. Zusammenzusetzen: Feldmarschall Hindenburg.

Vielfältig wie die Motive sind auch die Schwierigkeitsgrade, und die sind nicht nur abhängig von der Zahl der Teile. Die Spanne reicht bis zu den Puzzles der Gegenwart. Denn seit die ersten Kinder in London nicht ganz freiwillig die Ländergrenzen zuordneten, ist die Anziehung der Geduldspiele ungebrochen.

Die von Thomas Ludewig kuratierte Ausstellung, kleinen wie großen Puzzlefreunden gleichermaßen zu empfehlen, ist weitgehend mit Exponaten der niederländischen Sammler Geert und Betsy Bekkering bestückt. Ein Begleitprogramm ist organisiert. Die Ausstellung wird am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet.

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