Die umfangreiche Sammlung Feldhaus zeigt Zeitgeschichte auf.

Theodor Mintrop, „Der Christbaum“.   Sammlung Feldhaus
Theodor Mintrop, „Der Christbaum“. Sammlung Feldhaus

Theodor Mintrop, „Der Christbaum“. Sammlung Feldhaus

Theodor Mintrop, „Der Christbaum“. Sammlung Feldhaus

Neuss. Bisher, so schrieb es ein Journalist aus Essen, sei diese Form der Grafik wenig museumswürdig erschienen. "Aber das kleine und dabei lebendige Museum in Neuß belehrt uns eines Besseren." Das war 1954, und seitdem ist viel geschehen. Die Sammlung populärer Druckgrafik der damaligen Museumsdirektorin Irmgard Feldhaus ist auf 5000 Werke gewachsen und weithin anerkannt. Die heute 89-Jährige hat sie der Stadt geschenkt, und die revanchiert sich mit einem ganz speziellen Ausstellungsraum: Dem Feld-Haus auf der Raketenstation Hombroich, erbaut nach Plänen des Architekten Per Kirkeby. Im Februar soll eröffnet werden.

Es ist eine sehr deutsche Entwicklung, die sich anhand der Feldhaus-Blätter aufzeigen lässt. Durchgängig geht es um eine Kunst für Jedermann. Am Anfang stand im späten Mittelalter die Andachtsgrafik: Blätter, die dank des Buchdrucks erschwinglich waren und an Bettpfosten und in die Truhe geklebt wurden. Später dann wurden die Blätter zur "Zeitung", dienten der Nachrichtenübermittlung: Es ging um Unglücke, Krieg und Katastrophen, Hinrichtungen und Herrscherwechsel - Vorläufer der Yellow Press mit viel Bild und wenig Text.

Allmählich entwickelte sich ein Verlagswesen, mehrseitige Zeitungen entstanden. Die einfachen, preiswerten Druckgrafiken aber blieben populär. Im 19.Jahrhundert wurden sie zum Massenphänomen. Gerade in Deutschland, wo die Familie einen immensen Stellenwert erhielt, wo Freundschaften umtriebig gepflegt wurden. Es entstanden die ersten Karten mit kurzen Texten der Hochachtung. Der Kellner überreichte sie - gegen Trinkgeld - der Kundschaft im Café, in bürgerlichen Kreise übergab man sie einflussreichen Herrschaften, denen man die Aufwartung machte. Der Schritt zur Freundschafts- und Glückwunschkarte war nicht mehr weit.

Symbolsprache mit Urnen, Ankern, Blumen

Eine kaum überschaubare Vielfalt an Motiven, Versen und Darstellungsformen entstand. Thomas Ludewig, stellvertretender Leiter des Clemens-Sels-Museums, spricht von einem "wahren Freundschaftskult". Und der war ohne die Briefe, Billetts, Kärtchen nicht denkbar. Urnen-Bilder standen für ewige Verbundenheit, der Anker für die Treue, die Blumensprache wurde von allen Adressaten verstanden. Die Absender ließen die Karte sprechen, persönliche Texte gab es kaum. Ludewig spricht von "konfektionierten Gefühlen": "Die Emotionen wurden deutlich, die Etikette blieb gewahrt."

Und natürlich bot auch die Advents- und Weihnachtszeit reichlich Anlass für immer neue populäre Druckgrafik. Zeitweise war es üblich, täglich Papp-Weinblätter mit christlichen Motiven an einen Adventsbaum zu hängen, bis zu 50 Blätter konnten da zusammenkommen. Und eine Grafik aus der Sammlung Feldhaus belegt, wie sich schließlich auch die katholischen Kreise mit dem (protestantischen) Weihnachtsbaum anfreunden konnten: "Der Christbaum" von Theodor Mintrop aus dem Jahr 1849 zeigt Maria mit dem Christuskind, die in einem von vielen allegorischen Figuren belebten Baum thronen. Zu kaufen zum Preis von 15 Pfennig. Koloriert: 20 Pfennig.

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