Unter dem Motto „Die spinnen, die Kölner“ feierte die Stunk-Sitzung Premiere.

Neuss. Geschunkelt wird woanders. Beim alternativen Karneval ist einiges nicht so, wie man es vom üblichen Sitzungskarneval gewohnt ist. Es gibt keinen Elferrat, keine Orden, keine Prinzengarde. Was es allerdings gibt: unzählige Kostümwechsel der Schauspieler, die immer wieder in neue Rolle schlüpfen und dem Publikum mit ulkigen Showeinlagen, frechen Sprüchen und vor allem vollem Körpereinsatz die Tränen in die Augen treiben.

Ist das ganze Rheinland von Köln infiziert?

Zum ersten Mal war am Freitag das neue Programm des Stunk-Ensembles vom Theater am Schlachthof zu sehen. Das große Thema, das sich zwischen Sketchen und Parodien als roter Faden durch den Abend zog, ist in diesem Jahr "Die spinnen, die Kölner".

Gnadenlos und bissig, wie man es in einer Stunksitzung nicht anders erwartet, wurden sämtliche Vorurteile und Wahrheiten über die Domstadt ausgeschlachtet. Verpackt wurden die Sticheleien in die Geschichte von Altbiernix und Hobelix. Sie hecken mit dem Druiden Miracelwix und dem Barden Tuschmanix einen Plan aus, um zu verhindern, dass ihr Dorf von den Kölnern in Chorweiler II verwandelt wird - nicht ohne auch die politischen Gegebenheiten in ihrem eigenen Dorf auf die Schippe zu nehmen.

Bei der Premiere schien diese Rahmengeschichte allerdings etwas in den Hintergrund zu rücken. Das lag zum Großteil daran, dass die Sketche und Showeinlagen, die sich nicht mit den Ressentiments gegen Köln befassten, wesentlich besser beim Publikum ankamen.

Das Ensemble zeigte sich wandlungsfähig und als wahrer Meister der gesellschaftlichen Parodie. Ging es nicht um Politisches aus Neuss oder Köln, wurde wesentlich mehr gelacht, was auch Regisseur und Autor Martin Maier-Bode nicht verborgen blieb. Er erklärte dieses Phänomen anhand der Gästeliste: "Am Premierenabend sind wesentlich mehr Politiker anwesend als sonst und zudem sind unter den Neussern traditionell auch einige Pro-Kölner."

An den anderen Abenden und vor allem bei den Aufführungen, die in den kommenden Wochen im Düsseldorfer Zakk zu sehen sind - 21 an der Zahl - könne man sicherlich größeren Zuspruch erwarten.

Die Düsseldorfer Aufführungen unterscheiden sich von den Neussern nicht im Rahmen, wohl aber im Detail. Denn hier geht es nicht um Jahnstadion oder den Hauptstraßenzug, sondern um Kö-Bogen und Baustellen. Doch auch wer politische Satire nicht zu schätzen weiß, den wird sicherlich beim Song "Klaus-Dieter, pack deine Plauze ein" oder beim Auftritt von Rosi alias Sabine Wiegand das Lachen lauthals überkommen.

 

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