In der Krise gut aufgestellt: Kurt-Henning Wiethoff geht mit Optimismus.

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Kurt-Henning Wiethoff in der „Street“: Hier präsentiert das Unternehmen seinen Kunden neue Lösungen.

Kurt-Henning Wiethoff in der „Street“: Hier präsentiert das Unternehmen seinen Kunden neue Lösungen.

Uli Engers

Kurt-Henning Wiethoff in der „Street“: Hier präsentiert das Unternehmen seinen Kunden neue Lösungen.

Neuss. Da haben ihn seine Mitarbeiter doch völlig überrumpelt. "Und ich dachte, ich weiß in diesem Unternehmen wirklich Bescheid", sagt Kurt-Henning Wiethoff (63), scheidender Chef von 3M Deutschland. Doch kurz vor Weihnachten erklärten mehr als 800 Mitarbeiter das Projekt Abschied zur geheimen Kommandosache und überraschten ihren beliebten Chef mit einem Ständchen der besonderen Dimension. Noch jetzt ist dem Manager die Rührung anzumerken.

Deutschland ist wieder Investitionsstandort

39 Jahre hat Wiethoff bei 3M gearbeitet, die letzten Jahre als Generaldirektor von 3M Deutschland mit Stammsitz im Hammfeld. Als Deutschlandchef hat er dem Unternehmen innerhalb des US-Konzerns zu einer bedeutenden Stellung verholfen. "Wenn heute in den USA über ein neues großes Investment nachgedacht wird, geht es nicht automatisch in Richtung Asien oder Ost-Europa", sagt der Vollblutmanager, der jetzt aus Gesundheitsgründen geht. 3M Deutschland zähle auch am Stammsitz St.Paul wieder als äußerst attraktiver Standort.

Die erfolgreiche Position der breit aufgestellten 3M Deutschland hilft in Zeiten der globalen Rezession. Im vierten Quartel 2008 zeigten sich die Einflüsse der Wirtschaftskrise auch am Neusser Stammsitz. Besonders betroffen: der Zulieferersektor für die Automobilindustrie. Während das Geschäft für die Neuwagen einbricht, steigt der Bedarf bei Autoreparaturen und -erhalt; auch ein 3M-Sektor.

"Ein entzündeter Blinddarm muss raus. Auch in der Krise."

Vor allem der Gesundheitssektor aber wächst - kontinuierlich, Jahr für Jahr, und das zweistellig. Wiethoff fasst es kurz: "Ein entzündeter Blinddarm muss raus. Auch in der Krise." Da sind dann wieder Produkte des Hauses vom sterilen Abdecktuch bis zum Klinik-Abrechnungssystem im Einsatz.

Neu aufgestellt, darauf verweist Kurt-Henning Wiethoff nicht ohne Stolz, habe man sich im Segment regenerative Energien. Seit einem Jahr existiert eine Abteilung, in der gebündelt behandelt wird, was zuvor die einzelnen Bereiche "reingeliefert haben". Da geht es um sehr spezielle Filme zur Beschichtung von Solarpaneelen, die eine höhere Energieausbeute auch bei wenig Sonnenlicht ermöglichen. Oder um Schutzfilme für die Flügel von Windrädern. Oder um die Weiterentwicklung der Hochleistungs-Leiterseile, das sind Aluminiumkabel, die mehr Leistung durch ein dünneres Seil ermöglichen. Kurt-Henning Wiethoff hat sichtlich Freude bei der Auflistung. "Dieser Bereich", betont er mit Nachdruck, "wird von der Krise wenn überhaupt nur sehr wenig betroffen sein."

Interne Maßnahmen verschweigt er nicht. Leih- und Zeitarbeit habe man "nicht unerheblich reduziert", erstmals über Weihnachten eine Betriebsruhe angeordnet, Budgets werden überprüft, und auch das sonst hell erleuchtete Gebäude bleibt nachts seit einiger Zeit dunkel. "Wir leben nicht auf der Insel der Glückseligen, und jeden Tag erreichen uns Stornierungen von Aufträgen durch unsere Kunden."

Aber der Deutschland-Chef bleibt dabei: "Wir sind gut aufgestellt. Sehr gut." Das klingt nicht wie eine in diesen Zeiten oft beschworene Floskel, sondern stimmig. Die Stammmannschaft werde nicht etwa reduziert, sondern auf Sicht sogar ausgebaut. Wiethoff, leicht melancholisch wegen des Abschieds, der ihn schmerzt, legt noch nach. "Wir haben eine sehr gute Position. Es gibt keinen Grund, besorgt zu sein."

Abschied nach "39 tollen Jahren"

Das Unternehmen könne aus der Krise gestärkt hervorgehen. Er selbst wird das aus anderer Position erleben, ein Sitz im Aufsichtsrat ist ihm sicher. Kurt-Henning Wiethoff spricht von "39 tollen Jahren in einem unglaublichen Unternehmen." Und kommt noch einmal auf die Mitarbeiter, die er nur "das Team" nennt oder "die 3M-Familie": Die seien der Garant für den Erfolg. Und seine Arbeit als Chef sei es eben gewesen, "ihnen zu helfen, nach Lösungen zu suchen."

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