Pius-Bruderschaft: Die Pfarrer Assmann und Koenig sehen Papst BenediktXVI falsch beraten und sorgen sich wegen der Folgen.

Neuss. Die Handlungen des Papstes ziehen immer weitere Kreise. Bischöfe äußern Unverständnis, der Mainzer Karl Kardinal Lehmann wünscht eine klare Entschuldigung "von hoher Stelle". Gestern forderte selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel Papst BenediktXVI. auf, in der Diskussion um die Rehabilitierung der erzkonservativen Pius-Bischöfe für Klarheit zu sorgen.

In Neuss ist Guido Assmann, Oberpfarrer an St.Quirin und Dechant, um Differenzierung bemüht. Zunächst aber stellt er klar: Die Äußerung des britischen Bischofs Richard Williamson seien "unsäglich" und ganz sicher nicht beim Papst angekommen. Und genau das habe nicht passieren dürfen. Das Ansinnen von BenediktXVI. aber sei gut gewesen, ein positives Signal: "Er wollte die Hand reichen und für die Einheit der Kirche arbeiten. Durch die unentschuldbaren Äußerungen des Bischofs aus der Pius-Bruderschaft ist nun großer Schaden für die Kirche entstanden."

"Die schlimmste Strafe aufgehoben"

Wichtig ist dem Oberpfarrer aber festzustellen: Der Papst habe nicht etwa die vier Bischöfe der Bruderschaft wieder in ihre Ämter eingesetzt, sondern nur die Exkommunikation aufgehoben: "Das ist die schlimmste Strafe. Doch die Bischöfe bekennen das Glaubensbekenntnis, sie erkennen die Sakramente an und den Papst an. Das reicht." Zur Wiedereinsetzung in ihre Ämter allerdings bedürfe es eines klaren Bekenntnisses zum 2. Vatikanische Konzil, an dem der Papst, wie Assmann erinnert, als theologischer Berater von Kardinal Frings teilgenommen hatte.

Schärfer als sein Kollege aus der Innenstadt verurteilt Pfarrer Jochen Koenig, der auch im Vorstand der Christlich-Jüdischen Gesellschaft aktiv ist, die Vorkommnisse der letzten Tage. "Völliges Unverständnis" zeigt er nach der Aufhebung der Exkommunikation. "Wenn ich hier jemanden wieder in die Kirche aufnehmen will, führe ich vorher Gespräche mit ihm. Dazu bin ich verpflichtet. Das scheint man in Rom sehr lässig gehandhabt zu haben." Das Unverständnis mischt sich bei ihm mit Trauer. "Die Vielfalt in unserer Kirche vom Krabbelgottesdienst bis zum lateinischen Hochamt ist ja nicht schlecht. Aber wer das Konzil leugnet... Das hätte man vorher klären müssen."

Das sieht dann auch der Stadtdechant so. Von einer Krise der Kirche mag er nicht reden. Die Glaubwürdigkeit der Kirche aber habe gelitten.

Auch Thomas Nickel, Vorsitzender des Diözesanrates, ist besorgt. "Der Papst war eindeutig falsch beraten." Die Folgen, so Nickel, wiegen nun immer schwerer - "und überlagern die Herzensangelegenheit des Papstes, ein Schisma zu verhindern."

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