Wie viele Neusser zeigt sich auch Sebastian van Opbergen erschüttert von den Schreckensmeldungen aus dem Karibikstaat. Van Opbergen und Cornel Hüsch werben um Spenden.

Neuss. Knapp eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen. Sie will damit gegen chaotische Zustände vorgehen und die schwierige Versorgung verbessern.

Retter im Katastrophengebiet berichten über große Not und verzweifelte Szenen. Die genaue Zahl der Opfer ist weiter unklar, wird aber mittlerweile auf bis zu 200.000 Tote geschätzt.

Wie viele Neusser zeigt sich auch Sebastian van Opbergen erschüttert von den Schreckensmeldungen aus dem Karibikstaat. Für ihn verbindet sich mit dem immer schon von Not, Elend und Gewalt geprägten Land eine besondere Geschichte: Er hat mit seiner Frau vor knapp sechs Jahren ein damals siebenjähriges Mädchen aus Haiti adoptiert - nach deutschem und haitianischem Recht.

Zwei Jahre bis zur Adoption

Zwei Jahre hat sich das Verfahren hingezogen. Und wenn er wie am Sonntag bei "Anne Will" von Sabine Christiansen hört, da stünden wohl adoptionswillige Eltern Geldschein-schwingend am Flughafen, dann ist er wirklich sauer.

"Unsere Tochter ist eine echte Neusserin geworden"

"Unsere Tochter ist eine echte Neusserin geworden, geht hier aufs Gymnasium, ist Messdienerin und eine wirkliche rheinische Frohnatur", sagt van Opbergen, der das Mädchen ansonsten aber aus der Geschichte heraushalten will. Die Geschichte: Das ist die Aktion "Neusser helfen Haiti", die er mit seinem Nachbarn Cornel Hüsch organisiert.

Über das Adoptionsverfahren hat der Neusser engen Kontakt zu der Organisation Haiti Care, die in dem Land normalerweise Schulen und Kinderheime baut und betreibt und jetzt Katastrophenhilfe leistet. Gestern Abend war der Leiter Michael Kaasch bei "Beckmann" zu Gast.

"Wichtig ist, dass überhaupt gespendet wird."

Sebastianvan Opbergen

Kaaschs Adoptivtochter, gebürtige Haitianerin, organisiert vor Ort die Hilfe. "Spenden kommen dort ohne Abzug an", berichtet van Opbergen, der aber auch betont: "Wichtig ist, dass gespendet wird. Ob über Haiti Care, das DRK oder eine andere anerkannte Organisation."

In breit gestreuten Mails werben van Opbergen und Hüsch in ihrem großen Bekanntenkreis, nicht zuletzt bei den Schützen, um Spenden.

"Bei diesen Bildern kann man doch nicht die Füße stillhalten", sagt Cornel Hüsch: "Wer jeden Tag ums Überleben kämpft, kann kein Problem zusätzlich verkraften."

Allzu oft habe man weggeschaut, wenn wieder einmal Schlimmes aus Haiti berichtet wurde. Jetzt will mit seinem Nachbarn dagegen angehen. Die Gemeinde St.Cyriakus unterstützt die Initiative mit einem Konzert am Sonntag.

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