Auf engstem Raum entstand bis 1912 aus Mitteln der Familie Sels das erste städtische Museum am Markt.

Die Postkarte zeigt die Front des städtischen Museums mit den „griechischen“ Säulen. Links die alte Bebauung hin zum Münster.
Die Postkarte zeigt die Front des städtischen Museums mit den „griechischen“ Säulen. Links die alte Bebauung hin zum Münster.

Die Postkarte zeigt die Front des städtischen Museums mit den „griechischen“ Säulen. Links die alte Bebauung hin zum Münster.

Bei zwei Bombenangriffen wurde das Museum am Markt schwer getroffen.

Der Blick ins Erdgeschoss des Museums. Fotos/Postkarte: Stadtarchiv

So hätte das Museum in der aktuellen Bebauung am Markt ausgesehen: eng und schräg eingepasst zwischen Zeughaus und dem 1957 gebauten Commerzbank-Gebäude. Darstellung: Martin Stitz / LVN

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Die Postkarte zeigt die Front des städtischen Museums mit den „griechischen“ Säulen. Links die alte Bebauung hin zum Münster.

Neuss. Das erste Museum der Stadt öffnete im Sommer 1912. Einem griechischen Tempel nachempfunden, stand es schräg versetzt zur historisch gewachsenen Topographie zwischen Zeughaus und der Bebauung am Markt. Ein altes Kaufhaus hatte man für den Neubau abgerissen. Im Jubiläumsjahr des Clemens-Sels-Museums hat das bei der computer-animierten 3 D-Darstellung historischer Bauten bewährte Team von Carl Pause (Clemens-Sels-Museum) und Martin Stitz (Katasteramt/LVN) jetzt das Haus „rekonstruiert“.

Pauline Sels, Witwe des Kunstsammlers und Neusser Fabrikanten Clemens Sels, hatte der Stadt dessen Sammlung sowie 250 000 Mark für einen Museumsbau vermacht. Allerdings musste der Neubau nach ihren Vorstellungen erfolgen; sonst, so hatte die Witwe angedroht, werde das Konvolut nach Düsseldorf gehen.

Zeughaus konnte gerettet werden

So entstand der „Tempel-Bau“; ein „außergewöhnliches Denkmal starken Stifterwillens“, wie es Stadtarchivar Jens Metzdorf dezent umschreibt. Den Wunsch, das Museum an die Stelle des Zeughauses zu setzen, konnten die Stadtväter immerhin noch abwenden. Das Zeughaus wurde dann durch den Neubau regelrecht in die Mangel genommen. Nach hinten heraus erhielt das Museum eine Art Apsis, die eine städtebauliche Verbindung zum benachbarten Quirinus-Münster schaffen sollte.

Das nur 33 Jahre bestehende Haus zeigte vor allem Exponate zur Stadtgeschichte, archäologische Funde von Constantin Koenen, Volkskunst und Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung Sels. Die meisten Bestände konnten vor der Zerstörung durch Bombenangriffe 1943 und 1944 ausgelagert werden.

Nach Kriegsende prägten die Ruinen den Markt, ab 1950 baute Irmgard Feldhaus im Obertor das neue Museum auf. Offenkundig wollte niemand den alten Bau zurück. Noch vor der kompletten Räumung wurden Trümmerteile weiterverwendet; etwa zur Verschönerung von Grünanlagen oder zur Restaurierung des Zeughauses.

In dem Beitrag „Aufgelesen aus Ruinen“ im Jahrbuch Novaesium (2011) beschreibt Autor Jens Metzdorf die Geschichte des ersten Museums, seine Zerstörung und die Verwendung der Ruinenreste.

 

Am 22. Januar findet eine große Auftaktveranstaltung statt, die auch die Ausstellung „100 Jahre – 100 Schätze“ eröffnet. Vom 8. März bis 15. April wird außerdem die „Neusser Wunderkammer“ aufgebaut: Die Neusser sind eingeladen, sich an der Erstellung zu beteiligen und vorübergehend ein Fund- oder Sammelstück zur Verfügung zu stellen.

Das alte „Museum der Stadt Neuss“, Vorgängerbau des 1975 eröffneten Clemens-Sels-Museums, hat nun Martin Stitz in Zusammenarbeit mit Carl Pause am Computer wiederaufgebaut. Grundrisse und Fotos dienten ihm als Quelle. Auch die Kuppel konnte er rekonstruieren, die Pläne tauchten in einer anderen Akte wieder auf. Im Jubiläumsjahr kann es als Beispiel für den Zeitgeschmack stehen – so wie der schwer sanierungsbedürftige Nachfolger am Obertor.

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