Ambulanz für Kinderschutz ging im Vorjahr 472 Verdachtsfällen nach.

In der Mehrzahl sind Mädchen von Missbrauch betroffen.
In der Mehrzahl sind Mädchen von Missbrauch betroffen.

In der Mehrzahl sind Mädchen von Missbrauch betroffen.

dpa

In der Mehrzahl sind Mädchen von Missbrauch betroffen.

Neuss. Um Kinder und Jugendliche vor Vernachlässigung, Misshandlungen oder gar sexuellem Missbrauch zu schützen, gibt es in Neuss seit 24 Jahren eine kompetente Anlaufstelle: die Ambulanz für Kinderschutz (AKS). Angesiedelt auf dem Gelände des Lukaskrankenhauses, sichert das Angebot allen Betroffenen Anonymität zu.

Fallzahlen steigen seit Jahren

Der Koordinator der AKS, Peter Stieler, und das Team mit vier Diplom-Psychologinnen raten bei ersten Verdachtsmomenten von Missbrauch, Beratung und Hilfe bei ihnen zu suchen. In den vergangenen Jahren sind die Fallzahlen stetig gestiegen. Hinzu kommt die Dunkelziffer bei sexuellem Missbrauch.

Bei 472 Kindern und Jugendlichen im Rhein-Kreis Neuss hat die Ambulanz für Kinderschutz 2011 den Verdacht der Kindeswohlgefährdung untersucht, zwei Drittel von ihnen waren Mädchen.

Zu den Opfern, so berichtet die AKS-Leiterin Viola Meurer-Blasius, zählten alle Altersklassen – einschließlich Säugling und Kindergartenkind. Zwei Drittel der betroffenen Kinder waren jünger als zwölf Jahre alt. In fast 90 Prozent aller Fälle handele es sich um sexuellen Missbrauch, erklärt Meurer-Blasius.

Ziel der Ambulanz für Kinderschutz ist es, den Kindern und Jugendlichen langfristig Hilfe zu bieten. Deshalb erhalten Betroffene innerhalb von 48 Stunden einen Termin, in Ausnahmefällen auch sofort.

So im Fall eines Mädchens, das mit seinem Lehrer zur AKS kam, weil es aus Angst vor dem Vater nicht nach Hause gehen wollte. Wie AKS-Koordinator Stieler versichert, stehe in allen Fällen „die Beteiligung des Kindes an den erforderlichen Maßnahmen an erster Stelle“.

Es geschehe aber nichts gegen den Willen des Kindes. So wurde das Mädchen zunächst bei einer Tante und anschließend in einem Heim untergebracht.

Nicht immer sei eine solch weitreichende Maßnahme notwendig. Vielmehr gelte es in dem oft langwierigen Prozess der Spurensuche und Beratung, das System der Familie zu stärken, wie AKS-Leiterin Meurer-Blasius betont.

Dabei sei entscheidend, dass Mütter die Ängste und Bedürfnisse ihrer Kinder ernst nähmen. Denn häufig führe ein Vertrauensbeweis dazu, so Meurer-Blasius, dass die bis dahin aus Angst vor den Folgen schweigenden Kinder den Missbrauch immer lückenloser aufdecken würden.

Für eine Übergangsphase kann die Ambulanz den Opfern auch therapeutische Hilfe anbieten.

» Ambulanz für Kinderschutz, Preußenstraße 84, Telefon 02131/ 98 0194.

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