Kreisausschuss stimmte dafür, am Präventionsprogramm „Demokratie leben“ teilzunehmen.

Rhein-Kreis. Damit weniger Jugendliche in die Fänge von Salafisten geraten – bis hin zur Ausreise zum Kampf auf Seiten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak – will sich der Kreis an einem Präventionsprogramm beteiligen. Der Kreisausschuss votierte jetzt einstimmig dafür, das Bundesprogramm „Demokratie leben“ auch im Rhein-Kreis zu starten. Eine entsprechende Anfrage beim Bundesfamilienministerium läuft.

„Auch im Rhein-Kreis versuchen gewaltbereite Salafisten, Jugendliche für Kampfeinsätze zu gewinnen.“

Tilmann Lonnes, Dezernent

„Auch im Rhein-Kreis versuchen gewaltbereite Salafisten, Jugendliche für Kampfeinsätze zu gewinnen“, sagt Dezernent Tilmann Lonnes. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund, Brüchen im Lebenslauf oder Konvertiten würden mit dem Versprechen gesellschaftlicher Anerkennung, der Ausbildung zum IS-Kämpfer, Geld und Karrierechance gelockt.

Ziel des Präventionsprogramms ist es, Signale für ein Abrutschen Jugendlicher in die radikale Islamistenszene zu erkennen und über Vertrauenspersonen Kontakt zu ihnen aufzubauen. In Kooperation mit Jugendämtern und Schulen sollen Sozialarbeiter gefährdeten Jugendlichen Zukunftsperspektiven im Rhein-Kreis aufzeigen. So sollen die jungen Männer und Frauen von der Ausreise in die Kampfgebiete und einer weiteren Radikalisierung abhalten werden. Der Bund fördert dazu – auch finanziell – kommunale Partnerschaften für Demokratie.

Verfassungsschutz nennt keine genaue Zahl der Salafisten

Würde der Kreis in das Programm aufgenommen, könnte in der Kreisverwaltung ein Mitarbeiter mit einer halben Stelle die Koordination übernehmen. Kernpunkt ist jedoch die Zusammenarbeit mit einem muslimisch geprägten Verein, der über Zugang zu Jugendlichen verfügt, die von Salafisten angesprochen werden. Der Verein könnte im Rahmen des Programms einen Sozialpädagogen einstellen, der ähnlich wie ein Streetworker Kontakt zu gefährdeten Jugendlichen aufbauen soll. Welcher Verein im Kreis dafür infrage kommen könnte, ist noch nicht geklärt.

Außerdem müsste im Kreis ein Begleitausschuss mit Vertretern aus den kommunalen Verwaltungen, anderer staatlicher Institutionen und gesellschaftlich relevanten Akteuren installiert werden. Der Ausschuss soll die praktische Projektarbeit unterstützen.

Wie viele gewaltbereite Salafisten im Rhein-Kreis leben, gibt der Verfassungsschutz, so Lonnes, aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt: „Wenn jeder Salafist nur zehn Jugendliche pro Jahr akquiriert, ist das schon ernst zu nehmen.“

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