Dormagen verliert mit 25:31. Doch Frust ist fehl am Platz – noch hat Bayer den Klassenerhalt in der eigenen Hand.

Auf den Zuschauerrängen herrschte eine merkwürdige Mischung aus Frust, Resignation und Besserwisserei nach der 25:31 (14:15)-Niederlage des TSV Bayer Dormagen gegen den TV Emsdetten. Dinge, die der jungen Truppe des Handball-Zweitligisten im Abstiegskampf nicht weiterhelfen, sondern sie verunsichern. Und alles Dinge, die die Mannschaft nicht verdient hat. Eine Analyse.

Das Spiel

Sicher, so chancenlos wie ab der 40. Minute sind die Dormagener in einem Heimspiel lange nicht gewesen. Nur zwei Feldtore zwischen der 37. und 58. Minute sprechen eine deutliche Sprache. Doch diesmal scheiterte der TSV nicht an sich selbst, sondern an einer kompakt stehenden und kompromisslos zupackenden Deckungsformation der Gäste. Emsdettens Trainer Daniel Kubes bescheinigte seinem Team die „insgesamt beste Leistung in diesem Jahr“. Aus den sieben Spielen dieses Jahres haben seine Schützlinge immerhin 12:2 Punkte geholt.

Der Anspruch

Gegen einen solchen Gegner einen Sieg des Neulings zu erwarten, gar zu fordern, ist naiv. Bei allem Respekt vor den Leistungen von Max Bettin und Alex Küblers, die zusammen 18 der 25 Treffer erzielten – adäquat ersetzen können sie die Abgänge Simon Ernst und Moritz Preuss (noch) nicht. Bettin und die anderen Jungspunde bekommen im Moment die ganze Härte des Liga-Alltags zu spüren.

Die Philosophie

Am Ende fehlte Bayer auch die Kraft, um einigermaßen dagegen zu halten. Schließlich war es das dritte Spiel in einer Woche, dazwischen lagen 950 Autobahnkilometer nach Coburg und zurück – die Reise war am Donnerstag um fünf Uhr in der Früh beendet. Das ist etwas für Vollprofis. Der TSV geht bewusst einen anderen Weg, (fast) alle Spieler stehen im Beruf oder in der Ausbildung ihren Mann. Wer diesen Weg will, muss die Folgen in Kauf nehmen – so wie beim voll berufstätigen Sven Bartmann, der mit fünf Paraden in den ersten zwölf Minuten an seine starke Leistung der Vorwoche anzuknüpfen schien, dem später aber Kraft und Konzentration fehlten.

Die Aussichten

Der TSV hat derzeit einen Punkt Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Und angesichts von fünf ausstehenden Duellen mit direkten Konkurrenten hat er den Klassenerhalt in der eigenen Hand. Dazu braucht der Aufsteiger Unterstützung – und nicht Frust, Resignation und Besserwisserei.

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