Uni München liefert neue Erkenntnisse über das frühe Mittelalter in Neuss.

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Im Jahr 1209 begann der Bau von St. Quirin. Eine kleinere romanische Stiftskirche hatte zuvor an diesem Platz gestanden. Noch früher, wohl schon im späten 9. Jahrhundert abgerissen, gab es die kleine Königspfalz mit angeschlossener Kapelle (s.o.). Tanja Potthoff (rechts) hat in einem Projekt der Uni München Grabungsunterlagen aus den 60er Jahren neu ausgewertet.

Im Jahr 1209 begann der Bau von St. Quirin. Eine kleinere romanische Stiftskirche hatte zuvor an diesem Platz gestanden. Noch früher, wohl schon im späten 9. Jahrhundert abgerissen, gab es die kleine Königspfalz mit angeschlossener Kapelle (s.o.). Tanja Potthoff (rechts) hat in einem Projekt der Uni München Grabungsunterlagen aus den 60er Jahren neu ausgewertet.

Im Jahr 1209 begann der Bau von St. Quirin. Eine kleinere romanische Stiftskirche hatte zuvor an diesem Platz gestanden. Noch früher, wohl schon im späten 9. Jahrhundert abgerissen, gab es die kleine Königspfalz mit angeschlossener Kapelle (s.o.). Tanja Potthoff (rechts) hat in einem Projekt der Uni München Grabungsunterlagen aus den 60er Jahren neu ausgewertet.

Im Jahr 1209 begann der Bau von St. Quirin. Eine kleinere romanische Stiftskirche hatte zuvor an diesem Platz gestanden. Noch früher, wohl schon im späten 9. Jahrhundert abgerissen, gab es die kleine Königspfalz mit angeschlossener Kapelle (s.o.). Tanja Potthoff (rechts) hat in einem Projekt der Uni München Grabungsunterlagen aus den 60er Jahren neu ausgewertet.

Archiv/Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig-Maximilians-UniversitätMünchen/privat., Bild 1 von 3

Im Jahr 1209 begann der Bau von St. Quirin. Eine kleinere romanische Stiftskirche hatte zuvor an diesem Platz gestanden. Noch früher, wohl schon im späten 9. Jahrhundert abgerissen, gab es die kleine Königspfalz mit angeschlossener Kapelle (s.o.). Tanja Potthoff (rechts) hat in einem Projekt der Uni München Grabungsunterlagen aus den 60er Jahren neu ausgewertet.

Neuss. Im Jahr 16 vor Christus errichteten die Römer ihr erstes Lager nahe der Erftmündung, auf eine 2000 Jahre lange Geschichte beruft sich die Stadt – das können nur die wenigsten Kommunen. War aber das Areal der heutigen Innenstadt durchgängig besiedelt? Gab es die oft beschworene Kontinuität zur Zeit von Franken und Merowingern?

Siedlungskontinuität bleibt fraglich

Neue Forschungen haben überraschende Erkenntnisse erbracht. Die These von der Kontinuität wird dadurch nicht gestützt. Aber: An zentraler Stelle kann demnach eine kleine Königspfalz nachgewiesen werden.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München bewerten Archäologen und Historiker die berühmt gewordenen Neusser Ausgrabungen von Hugo Borger aus den 1960er Jahren neu. Ausgangspunkt ist der Fund von Resten einer Apsis unter dem Quirinusmünster, die Borger damals als spätrömische Cella memoriae begriff; ein Gebäude zum Totengedächtnis aus dem spätrömischen 4. Jahrhundert.

Keine spätrömische Cella memoriae

Diese Annahme hat nun Tanja Potthoff von der Uni München endgültig widerlegt. Bei Durchsicht der Funde und Veröffentlichungen fiel auf: In einer Grube unter der Apsis lagerte Keramik, es waren Reste von Reliefbandamphoren – aus dem 9. Jahrhundert.

Potthoff verweist auf die kirchen-untypische Ausrichtung der Apsis nach Norden, die Anlage der Gebäude, die verblüffende Ähnlichkeit der Ingelheimer Kaiserpfalz und schließt daraus: „Wir gehen davon aus, dass es hier im 9. Jahrhundert eine kleine Königspfalz gab, die zur Keimzelle für das spätere Damenstift wurde.“ Die Anlage umfasste wohl einen Saalbau für Versammlungen, eine kleine Kapelle und Nebengebäude – alles aus Stein.

Das erste Römerlager wird bereits 16. v. Chr. im Bereich Gnadental angelegt, zahlreiche weitere folgen. Im 1. Jahrhundert entsteht eine Zivilsiedlung (Vicus) „Novaesium“ in der heutigen Innenstadt.

Seit Mitte des 3. Jahrhunderts dringen immer wieder Franken auf linksrheinisches Gebiet vor. Mehrfach nennen römische Quellen noch die Ortsbezeichnung „Novaesium“.

 Vom 5. bis 8. Jahrhundert klafft bis auf einige Ausnahmen eine Lücke in der Überlieferung und bei den archäologischen Funden. „Die dunkle Zeit“ wird diese Epoche manchmal genannt.

Der Legende nach werden 1050 die Gebeine des Heiligen Quirinus von Rom nach Neuss überführt. 1209 beginnt der Bau der Kirche St. Quirin am Platz einer kleineren romanischen Vorgängerkirche.

Die neue Auswertung von Schriftquellen durch Professor Bernd Päffgen aus München beleuchtet die spannende Geschichte dieser Zeit in Neuss, wie immer eine Siedlung auch ausgesehen haben mag. Oda Venerabilis war demnach die erste Äbtissin des Damenstifts: Schwester des Ottonen Heinrich I und Ehefrau des Lothringischen Königs Zwentibold, des letzten Karolingers. Nach dessen Tod musste Oda seinen Widersacher heiraten, dann wurde sie Äbtissin in Neuss.

Damenstift mit bedeutenden Äbtissinnen

„Damenstifte im frühen Mittelalter waren bedeutende Einrichtungen“, sagt Tanja Potthoff. Dass der Standort Neuss da einen besonderen Rang einnahm, belegt auch der Name einer zweiten Äbtisin im 11. Jahrhundert. Heylweg war Enkelin Ottos II und seiner Frau Theophanu.

Hochwertig war das Damenstift ausgestattet, der Wandputz farbig bemalt, die Fußböden aufwendig gestaltet. Aus der frühen Stiftszeit stammt auch eine Sonnenuhr, die Potthoff untersuchte: gefertigt nach byzantinischem Vorbild und die einzige ihrer Art nördlich der Alpen. Und schließlich ergab die Analyse eines Textilstücks in einem von der Neusser Archäologin Sauer entdeckten Sarkophag aus der romanischen Stiftskirche, dass dieses Tuch feinster islamischer Stoff war. „Das alles sind klare Indizien für ein großes, bedeutungsvolles Stift“, sagt Tanja Potthoff.

Ist nun die Siedlungskontinuität endgültig als Mythos erkannt? Ganz so radikal möchte die Archäologin das nicht ausdrücken und ist sich dabei mit anderen Wissenschaftlern einig. Auszuschließen sei das nicht. Zwei, drei kleinere Höfe mögen auch in der „dunklen Zeit“ im heutigen Neusser Zentrum gestanden haben. „Aber viel kann das nicht gewesen sein.“

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