Beim Waldkindergarten „Frischlinge“ wird der Wald zum Spielplatz.

Beim Waldkindergarten „Frischlinge“ wird der Wald zum Spielplatz.
Susann Kollatsch und Jan Scherzer achten darauf, dass sich die Kinder auch im Wald vor dem Frühstück die Hände waschen.

Susann Kollatsch und Jan Scherzer achten darauf, dass sich die Kinder auch im Wald vor dem Frühstück die Hände waschen.

Woitschützke

Susann Kollatsch und Jan Scherzer achten darauf, dass sich die Kinder auch im Wald vor dem Frühstück die Hände waschen.

Rosellerheide. Ein entwurzelter Baum als Piratenschiff, das verteidigt werden muss, ein düsterer Weg, der den Namen „Gruselplatz“ trägt, oder aneinandergereihte Stämme, die „Waldsofa“ genannt werden. Wer mit den Mädchen und Jungen des Waldkindergartens „Frischlinge“ unterwegs ist, der spürt, wie viel Fantasie in ihnen steckt. Jetzt im Herbst hat die Natur besonders viel zu bieten. Es werden Eicheln, bunte Blätter oder Kastanien gesammelt. Der Winter ist nicht mehr weit entfernt. In den Morgenstunden kann man bereits seinen Atem sehen.

Die 20 Mädchen und Jungen haben selbst bei Regen ihren Spaß

Dementsprechend warm eingepackt sind die Kinder in diesen Tagen. Auch bei Regen halten sie sich meist im Freien auf, werden jedoch sehr selten krank, wie Kindergärtnerin Susann Kollatsch betont. Jeder Tag hat seine festen Riten. Um 8.30 Uhr machen sich die „Frischlinge“ auf den Weg in den Mühlenbusch. Weit haben sie es nicht, schließlich liegt das Gelände des Kindergartens direkt am Waldrand. Dort stehen zwei große Wohnwagen, die bei extremen Wetterbedingungen wie Sturm oder Hagel Schutz bieten. Regenfälle erschrecken keines der 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Zur Not „bewaffnen“ sie sich mit Planen und Regenschirmen. Das Gelände ist herbstlich geschmückt. Eine kleine Fläche vor einem der beiden Wohnwagen wurde mit Kürbissen und Strohballen dekoriert. Einige Meter weiter hängen selbst gebastelte Herbst-Laternen – sogenannte Waldwichtel. An diesem Ort ist alles im Einklang mit der jeweiligen Jahreszeit.

An einer Lichtung, die nur „Trinkpause“ genannt wird, legen die Kinder, Susann Kollatsch und ihr Kollege Jan Scherzer zum ersten Mal einen längeren Stop ein. Sie bilden einen Kreis und bestimmen, wohin es an diesem Tag gehen soll. Schließlich stehen gleich acht verschiedene Ziele zur Auswahl. Neben dem „Gruselplatz“ gibt es unter anderem auch den Röhren- und den Grubenplatz. Am Ziel angekommen steht zunächst gemeinsames Händewaschen und Frühstücken auf dem Programm.

Berührungsängste mit der Natur kennen diese Kinder nicht. Pfützen dienen als Wasser für Farbe, kleine Insekten lassen sie behutsam auf den Finger und wieder herunterkrabbeln, Matsch ist kein Tabu, sondern wird zu Kugeln geformt. Ein Mann mit Hund kommt vorbei und wird von den Kindern mit „Hallo, Manfred“ begrüßt. Sie sind vertraut mit dieser Umgebung. Während manche Eltern darauf bedacht sind, ihre Kinder klinisch rein zu halten, tollen die „Frischlinge“ mit dreckiger Hosen und matschigen Händen im Wald herum und sind glücklich. Manchmal bekommen sie auch Besuch vom Förster, der ihnen einen Dachsbau oder die Salzlecksteine für Wildtiere zeigt. „Wir möchten den Kindern keine Vorgaben machen, was sie spielen. Sie sollen selbst entscheiden“, sagt Kollatsch.

Der Verein wird von den Eltern selbst getragen. Das bedeutet, dass es mehrmals jährlich Treffen gibt, um Gelände und Gebäude in Schuss zu halten und Ideen weiterzuentwickeln. So wurde erst in diesem Jahr ein Wohnwagen renoviert.

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