Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen spricht über Flüchtlinge, Haushaltssicherung und Strukturwandel.

Bürgermeister Klaus Krützen möchte seinen Schwerpunkt nicht auf Repräsentationsaufgaben setzen.
Bürgermeister Klaus Krützen möchte seinen Schwerpunkt nicht auf Repräsentationsaufgaben setzen.

Bürgermeister Klaus Krützen möchte seinen Schwerpunkt nicht auf Repräsentationsaufgaben setzen.

Anja Tinter

Bürgermeister Klaus Krützen möchte seinen Schwerpunkt nicht auf Repräsentationsaufgaben setzen.

Herr Krützen, rückblickend: War 2015 für Sie ein erfolgreiches Jahr?

Klaus Krützen: Die Bürgermeisterwahl haben wir gewonnen. Das war sicherlich eine Herkulesaufgabe, da anfangs nicht so ganz klar war, dass wir als Sieger herausgehen werden. Ich bin aber niemand, der Erfolg an einer gewonnenen Wahl misst. Ich blicke lieber voraus – auf die Aufgaben die vor uns liegen.

Haben Sie sich den Bürgermeister-Job anders vorgestellt?

Krützen: Ja. Ich habe festgestellt, dass mein Arbeitstag von einem sehr engen Terminkalender bestimmt ist, wenn man auf die Wünsche der Bürger eingehen möchte. Zwölf- bis 14-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Das ist anders, als ich es bisher aus meinem Lehrer-Dasein kannte – und sicherlich auch etwas Gewöhnungssache.

Eines der ersten Projekte, das Sie angepackt haben, war ein Konzept für die Unterbringung von Flüchtlingen. Ist da vorher etwas liegengeblieben?

Krützen: Ich habe zumindest kein Konzept vorgefunden. Meiner Meinung nach ist die Stadtverwaltung in der Lage, das Unterbringungs-Problem für Flüchtlinge zu bewältigen, sie war aber bisher nur auf Ad-hoc-Lösungen eingestellt. Mir ist es wichtig, ein Konzept zu haben, das uns Lösungen für die nächsten Monate aufzeigt. Das ist auch erforderlich, um möglichst früh in den Dialog mit den Bürgern aus den betroffenen Stadtteilen einzutreten.

Hätte ein Konzept nicht schon lange vorliegen müssen?

Krützen: Meine Amtsvorgängerin hat ihre Schwerpunkte mehr in der Repräsentation gesetzt. Ich habe für mich festgestellt, dass zu viel liegen bleibt, würde ich die Repräsentationsaufgaben in dem gleichen Maße absolvieren. Ich habe meine Schwerpunkte anders gesetzt.

Ist das Flüchtlingsproblem die große Herausforderung 2016?

Krützen: Selbstverständlich. Wir haben jetzt neue Flächen für Unterkünfte festgelegt, etwa am Hagelkreuz oder an der Konrad-Thomas-Straße. Künftig werden wir auch im Grevenbroicher Norden weitere Areale für die Unterbringung von Asylsuchenden erschließen. Ziel ist es, die Turnhallen so schnell wie möglich zu räumen und sie in den Zustand zu versetzen, dass dort wieder Sport betrieben werden kann. Und ich stehe zu meiner Aussage: Kirmesplätze werden für Unterkünfte nicht in Betracht kommen.

Bekommt Grevenbroich das alles finanziell gestemmt?

Krützen: Bislang hatten wir bei den Flüchtlingen ein Defizit von einer Million Euro, zurzeit sind es 2,3 Millionen. Die zehn Millionen Euro, die wir 2016 vom Land erhalten, sollten – so hoffe ich – ausreichen. Dennoch werden wir immer wieder bei zuständigen Ämtern, Behörden und der Bezirksregierung die notwendige Unterstützung einfordern, damit wir hier nicht absaufen.

Das Haushaltssicherungskonzept ist also nicht in Gefahr?

Krützen: Nicht durch die Flüchtlinge. Die entscheidende Frage ist, wie die Politik zur Haushaltssicherung steht. Ein Beispiel: Das Konsolidierungskonzept ist mit großer Mehrheit vom Rat beschlossen worden. Geht es aber an die darin enthaltenen Einzelentscheidungen wie die Erhöhung der Grundsteuern A und B, ist es interessant zu beobachten, wer sich da alles auf einmal in die Büsche schlägt. Ich freue mich darüber, dass die beiden großen Fraktionen „Pohl“ gehalten haben.

Die CDU scheint den neuen Bürgermeister auch nicht groß ärgern zu wollen, oder?

Krützen: Politisch bin ich ja auch nicht als Ideologe unterwegs. Es geht mir um pragmatische Arbeit – und ich freue mich über alle, die im Rat auch bei unangenehmen Entscheidungen einen Hintern in der Hose haben. Ich biete allen Fraktionen eine Zusammenarbeit an – und ich bin optimistisch, dass wir das auch gut hinbekommen werden.

Der Strukturwandel ist eines der Themen, die Sie anpacken wollen. Kommt das nicht ein wenig spät?

Krützen: Wir sind relativ spät dran, andere Städte und Gemeinden im Rheinischen Revier sind da schon weiter. Ich vernetze mich zurzeit mit Kommunen wie Rommerskirchen, Jüchen, Bedburg und Bergheim, um die Grenzen von Bezirksregierungen hinweg nach gemeinsamen Projekten zu suchen. Der Wunsch ist da, etwas gemeinsam zu machen – und man hat auf Grevenbroich gewartet.

Wie wollen Sie dem Strukturwandel begegnen?

Krützen: Mir ist es wichtig, dass zunächst das Kraftwerksgelände in Frimmersdorf im Fokus steht, ebenso die 300 Hektar große landesbedeutende Fläche bei Neurath. Hierfür gilt es gemeinsam mit der Innovationsregion Rheinisches Revier Projekte zu identifizieren, die unsere Region nach vorne bringen. Für mich wird der Strukturwandel eine Daueraufgabe sein. Man darf nicht vergessen: Sobald die Blöcke P und Q in Frimmersdorf vom Netz gehen, werden bei RWE Power viele hoch bezahlte Arbeitsplätze wegfallen.

Was kann die Stadt für die Fußgängerzone tun, in der es immer mehr Geschäftsschließungen gibt?

Krützen: Diese Entwicklung bereitet mir große Sorgen. Die Einflussmöglichkeiten der Stadtverwaltung sind aber leider gering. Ich kann nur an die Immobilienbesitzer appellieren, sich mit uns darüber zu unterhalten, wie der Einkaufsstandort attraktiver gestaltet werden kann – ohne dass es zu weiteren Mieterhöhungen für Ladenlokale kommt.

Wann fangen Sie an, die Verwaltung personell umzubauen?

Krützen: Das neue Organigramm wird dann kommen, sobald klar ist, welche Richtung wir in der Rekommunalisierung der Wirtschaftsbetriebe einschlagen werden. Eine mögliche Ausgliederung von städtischen Fachbereichen würde sich auf die Personalsituation im Rathaus auswirken. Daher möchte ich abwarten, für welches Modell sich die Politik entscheiden wird.

Drängen Sie auf eine schnelle Entscheidung?

Krützen: Nein. Davor warne ich. Die Gründung der heutigen WGV wurde seinerzeit meines Erachtens zu schnell beschlossen – und was dabei herausgekommen ist, hat keinen befriedigt. Ich denke, dass es vor Ende 2016 keine Entscheidung geben wird. Das muss in Ruhe und mit Bedacht gemacht werden.

Beunruhigt Sie der lange Baustopp im Schlossbad?

Krützen: Diese Entwicklung kann mir nicht gefallen. Jetzt aber eine Kehrtwendung zu machen, wäre die falsche Entscheidung. Ein kompletter Stopp würde uns zwischen sieben und 7,5 Millionen Euro kosten. Ich denke, dass eine Stadt wie Grevenbroich ein Bad braucht. Ich gehe fest davon aus, dass es an diesem Standort 2018 eröffnet wird.

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