Die Katholische Kirche wollte zwei Gruppen in Kindergärten nicht weiter finanzieren. Die Stadt übernimmt zunächst die Kosten.

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Die Stadt übernimmt die Kosten für je eine Gruppe im Martinus- und im Benedictus-Kindergarten.

Die Stadt übernimmt die Kosten für je eine Gruppe im Martinus- und im Benedictus-Kindergarten.

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Die Stadt übernimmt die Kosten für je eine Gruppe im Martinus- und im Benedictus-Kindergarten.

Kaarst. Auch für das kommende Kindergartenjahr (1. August 2009 bis 31. Juli 2010) übernimmt die Stadt den Trägeranteil für zwei katholische Kindergartengruppen, je eine im Benedictus- und eine im Martinus-Kindergarten. Das hat der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. "Da wir die Anzahl der Gruppen wegen des Kinderförderungsgesetzes bis 2013 von 53 auf 59 ausbauen, wäre es wenig sinnvoll, jetzt zwei Gruppen zu schließen", sagt Ute Schnur, Leiterin des städtischen Bereichs Jugend und Familie.

Erzbistum erhebt eigene Statistik: Zu wenige katholische Kinder

Die katholische Kirche sieht dies anders: Statt die Gruppenzahl zu erhöhen, will sie reduzieren. So geht das Erzbistum Köln davon aus, dass in Kaarst zwei Kita-Gruppen mit 40 bis 50 Kindern nicht mehr benötigt werden. Vier Gruppen waren durch Einsparmaßnahmen bereits geschlossen worden, verblieben sind die katholische Einrichtung Familienzentrum St. Martinus mit vier Gruppen und der Benedictus-Kindergarten mit drei Gruppen. Grundlage für die Schließung sind die eigenen statistischen Erhebungen des Erzbistums Köln zur Anzahl katholischer Kinder in Kaarst. "Dabei werden allerdings nicht die katholisch getauften Kinder unter drei Jahren berücksichtigt", bemängelt Schnur. In den vergangenen fünf Jahren waren durchschnittlich 84 Kinder pro Jahr katholisch getauft worden.

Nach der Statistik des Erzbistum würden bereits für das Kindergartenjahr 2008/2009 zwei Gruppen nicht mehr benötigt. Zudem sieht sich das Erzbistum Köln nicht mehr in der Lage, die Kosten für den Trägeranteil dieser Gruppen zu bezahlen. Deshalb beantragte die katholische Kirchengemeinde St. Martinus im Dezember 2007 die Übernahme des Trägeranteiles (WZ berichtete) befristet für zunächst für ein Jahr.

Die Kirchengemeinde wollte das Erzbistum dann auffordern, für das kommende Jahr eine Gruppe weiter zu finanzieren. "Sollten die Verhandlungen scheitern, bat die katholische Kirchengemeinde um Übernahme des Trägeranteils für zwei Gruppen. Das Erzbistum signalisiert derzeit keinerlei Bereitschaft ihre Entscheidungen zu überdenken", erläutert Schnur.

Gruppen werden für den Ausbau der unter Dreijährigen benötigt

Deshalb hat der Jugendhilfeausschuss jüngst beschlossen, wieder befristet für ein Kindergartenjahr die Kosten für den Trägeranteil der zwei Gruppen zu übernehmen. Für die Stadt bedeutet das eine zusätzliche Belastung von 21 000 Euro im Haushalt 2009. "Die exakte Höhe des Anteils steht jedoch erst dann fest, wenn wir wissen, welche Gruppenform mit wie vielen Betreuungsstunden von den Eltern gewünscht wird", erklärt Schnur.

"Der Erhalt der beiden Gruppen in den Kindertageseinrichtungen Martinus und Benedictus sind im Rahmen des Ausbaus für unter Dreijährige von elementarer Bedeutung. Würden die beiden Gruppen geschlossen, müssten wir, um das Ausbauziel zu erreichen, insgesamt acht Gruppen neu schaffen", erklärt Schnur. Die Kirchengemeinde sei wegen der Nachfrage bereit, die beiden Gruppen weiterzuführen.

"Wenn die katholische Kirche ihre Kinder katholisch erziehen möchte, muss sie auch dafür bezahlen. Der Gesetzgeber hat den Sparzwang der Kirchen berücksichtigt und den Trägeranteil deshalb verringert. Das Erzbistum weiß, dass wir die Gruppen benötigen. Wenn man böse ist, könnte man das Erpressung nennen", sagt Wilbert Schröder von den Grünen. Johannes Höhner (CDU) bekräftigt, dass das Thema grundsätzlich diskutiert werden müsse. "Wir befinden uns in einer Abhängigkeit. Die Frage ist, wie wir uns der entziehen."

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