Marijn Ruckenbrod betreibt eine Musikschule im Internet. Per Online-Konferenz lernen 10.000 Schüler wie Beatboxen funktioniert.

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Marijn Ruckenbrod braucht für seine Musik nicht viel. Nur mit seinem Mund erzeugt er Rhythmus.

Marijn Ruckenbrod braucht für seine Musik nicht viel. Nur mit seinem Mund erzeugt er Rhythmus.

Uli Engers

Marijn Ruckenbrod braucht für seine Musik nicht viel. Nur mit seinem Mund erzeugt er Rhythmus.

Kaarst. Wenn Marijn Ruckenbrod Musik macht, braucht er dazu kein Instrument. Nur mit seinem Mund bringt der 20-Jährige verschiedene Töne und Rhythmen hervor. Und doch klingt es so, als würde er aufs Schlagzeug hauen oder elektronische Klänge vom Band abspielen.

Der Schüler aus Kaarst beherrscht die Kunst des Beatboxens. Dahinter stecken Perkussion-Geräusche und klangliche Variationen der Konsonanten, die mit Zunge, Lippen und Stimme erzeugt werden. "Das muss man lernen, genauso wie Klavier oder Gitarre zu spielen", sagt Ruckenbrod. Als er vor fünf Jahren zufällig eine Aufnahme von geübten Beatboxern sah, packte ihn das Fieber.

"Ich war fasziniert, das wollte ich auch können", erinnert er sich. Im Internet stieß er auf eine Schule, die ihren Schülern online die Techniken des Beatboxens vermittelt. "Die Lehrer zeigten in Videos die Mundbewegungen und Schritte der Geräuscherzeugung. Bei Web-Konferenzen konnten wir Schüler dann Fragen stellen", erklärt er.

Erfolge bei Meisterschaft und Auftritt bei Kaarst Total

Für Ruckenbrod wurde das Beatboxen mehr und mehr zu einer Leidenschaft. 2005 übernahm er schließlich die Online-Schule. "Ich hatte den Eindruck, dass die Leiter sich zu wenig darum kümmern", sagt er. Aber unter der Leitung des 20-Jährigen blühte sie auf. Ließen sich anfangs etwa 100 Schüler das Beatboxen im Internet erklären, nehmen mittlerweile mehr als 10.000 Interessierte an den wöchentlichen Lehrstunden teil. Ruckenbrod hat längst für Verstärkung gesorgt:

Sein Freund Misko Flury aus Frankfurt hilft ihm bei der Organisation, mehr als 30 weitere Lehrer beim Unterrichten. Die Methoden sind geblieben. "Wir benutzen noch immer ,Teamspeak’, eine große Konferenzschaltung im Netz. An der nehmen oft bis zu 50 Beatboxer teil", erzählt er.

Die Leistungen seiner Schüler können sich sehen lassen: "Einer hatte kürzlich einen Auftritt im Fernsehn", berichtet Ruckenbrod. Und auch er selbst blickt auf Beatbox-Erfolge zurück: 2007 belegte er den fünften Platz bei der westdeutschen Beatbox-Meisterschaft. Sein Können zeigte er bereits beim Kaarster Stadtfest. "Beatboxen hat seinen Ursprung im HipHop. Mittlerweile ist es mehr als nur rhythmische Begleitsounds, es ist eine eigene Form der Unterhaltung geworden", sagt Ruckenbrod.

Der Gymnasiast absolviert in Kürze sein Abitur. Danach will er studieren, "irgendwas mit Medien". Ob er dann noch genug Zeit für seine Internet-Schule hat, weiß er nicht. "Zum Unterricht kommt ja die Wartung der Seite oder die Online-Agentur, die zur Schule gehört und über die die Schüler gebucht werden können", erklärt er. Er will sich so lange wie möglich darum kümmern.

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