Schriftstellerin Sylvia Kabus spricht in Kaarst über die Jahre der Wende und die Bedeutung der Kultur.

Rednerin Sylvia Kabus hob die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervor.
Rednerin Sylvia Kabus hob die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervor.

Rednerin Sylvia Kabus hob die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervor.

Stefan Reinelt

Rednerin Sylvia Kabus hob die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervor.

Kaarst. Mit dem Bürgerlied des Vormärz eröffnete der Chor der Stadt Kaarst die Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit. Obwohl zeitgleich einige Veranstaltungen zum Erntedankfest in Kaarst stattfanden, hielt Bürgermeister Franz-Josef Moormann auch im 20. Jahr der Einheit an dem Termin fest. "Wir sollten uns jedes Jahr für ein Stündchen in Feierlichkeit treffen, um zu sagen: Demokratie ist gut", sagte Moormann.

"Für die Organisation der Gesellschaft gibt es nichts Besseres. Schwarz-rot-gold ist zu einem Zeichen für Frieden und Freiheit geworden", so der Bürgermeister weiter. Als Gastrednerin begrüßte Moormann die Schriftstellerin Sylvia Kabus im Atrium des Rathauses. Kabus brachte in der DDR eine illegale Zeitschrift heraus und gehörte nach dem Mauerfall dem Leipziger Runden Tisch an.

"Skandalöses wurde zum Alltag"

Sylvia Kabus über die Jahre 1989/1990 in der DDR

In ihrem Vortrag "Die umarmte Stadt. Verborgene Horizonte" hob sie vor allem die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervor. Die Frage, ob das Geistige in der Subkultur überleben könne, beantwortete sie mit der Forderung, die kreative Kraft zu wahren. Sie erzählte von ihren Eindrücken in den Jahren 1989/1990.

"Skandalöses wurde zum Alltag", sagte sie. So erinnerte sie sich beispielsweise an eine Sitzblockade vor einem neu eröffneten Erotikshop. Auf einem Plakat fragten Bürger: "Warum kauft ihr unsere Erzeugnisse nicht?". Die schnelle Mark war auf einmal wichtiger.

"Dabei entstand die Revolution nicht aus Konsumhunger oder Hoffnung, sondern aus Hoffnungslosigkeit", berichtete Sylvia Kabus. Die Schriftstellerin beteiligte sich selbst früh an den Demonstrationen in Leipzig. "Aber ich glaubte nicht daran", sagte Kabus. "Ich dachte, es geht weiter mit der Illegalität, bis wir verhaftet werden."

Doch der Mut der Hunderttausenden auf den Straßen machte schließlich das Unmögliche wahr. "Deshalb pflücken Sie etwas von den unruhigen Zweifeln", gab der Ehrengast seinen Zuhörern mit auf den Weg.

Auch in der Kaarster Partnerstadt Perleberg in Brandenburg fanden am Wochenende Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit statt. Der Einladung folgten unter anderem die beiden stellvertretenden Bürgermeister Annelie Palmen und Matthias Kluth, die das Wochenende in Perleberg verbrachten.

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