Kreuzbund: Seit 2006 leitet Irmgard Heuschen zwei Selbsthilfegruppen für Suchtkranke.

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Heinrich Schmeing, Irmgard Heuschen und Sonja Westing (r.) im Gespräch. Bei den Treffen der Selbsthilfegruppe geht es nicht immer nur ernst zu – es wird auch viel gelacht.

Heinrich Schmeing, Irmgard Heuschen und Sonja Westing (r.) im Gespräch. Bei den Treffen der Selbsthilfegruppe geht es nicht immer nur ernst zu – es wird auch viel gelacht.

Stefan Büntig

Heinrich Schmeing, Irmgard Heuschen und Sonja Westing (r.) im Gespräch. Bei den Treffen der Selbsthilfegruppe geht es nicht immer nur ernst zu – es wird auch viel gelacht.

Kaarst. Der ungepflegte Betrunkene auf der Parkbank - dieses Bild haben viele vor Augen, sobald es um das Thema Alkoholsucht geht. Tatsächlich trifft es nur auf die wenigsten Betroffenen zu. Irmgard Heuschen hat ein offenes Lachen, einen modischen Kurzhaarschnitt und ist schick gekleidet. Eine Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht - und die über Jahre alkoholsüchtig war. Heute ist sie trocken. "Trocken und zufrieden", betont sie.

Zuerst gibt es eine Blitzlichtrunde, daraus ergeben sich die Themen

Seit 2006 leitet Heuschen die beiden Kreuzbund Selbsthilfegruppen für Suchtkranke in Kaarst. "Eigentlich sind wir eher eine Helfergemeinschaft als eine Selbsthilfegruppe", sagt sie. "Wir helfen uns gegenseitig und passen aufeinander auf", fügt Heinrich Schmeing hinzu. Auch er will so gar nicht in das Bild des Alkoholsüchtigen passen. Ein Mann mit Lachfältchen, Anfang 60, Typ fürsorglicher Familienvater. Dennoch war er lange alkoholsüchtig, "ein Problemtrinker", wie er sagt. "Ich gehe offen mit meiner Krankheit um, denn Alkoholsucht ist eine Krankheit." Das Reden in der Gruppe sei wie eine Therapie. "Es hilft einfach, wenn man über seine Probleme und Sorgen spricht", weiß Schmeing.

Auch Sonja Westing hat diese Erfahrung gemacht. "Früher habe ich alles geschluckt. Meine Probleme, den Alkohol. Heute ist das anders." In den Gruppentreffen sitzen gut ein Dutzend süchtige und trockene Alkoholiker zusammen. Meist gibt es zu Anfang eine Blitzlichtrunde. "Jeder erzählt kurz, wie seine Woche war. Was war schön, was ist schlecht gelaufen", erklärt Irmgard Heuschen, "oft kristallisiert sich da schon heraus, wer an diesem Abend Hilfe braucht und wer ein größeres Redebedürfnis hat." Etwa eineinhalb Stunden dauern die Treffen. "Wir machen uns Mut, aber man muss auch lernen, mit Kritik umzugehen", sagt Sonja Westing. Für sie war es am Anfang eine große Überwindung, zu den Gruppentreffen zu gehen. "Ich hab mich geschämt, mein Problem offen zuzugeben. Dabei wusste mein Umfeld natürlich längst Bescheid. Ich dachte, mit Kaugummi und etwas mehr Deo kann ich den Alkoholgeruch überdecken."

Auch Angehörige von Suchtkranken nehmen an den Treffen teil, wollen sich über die Krankheit informieren. Wenn die Gruppe etwas gemeinsam unternimmt, etwa eine Fahrt in die Eifel oder gemeinsame Feiern, sind die (Ehe-)partner, Kinder, Verwandte und Freunde ebenfalls dabei. Die Mitgliedschaft in der Kreuzbund-Gruppe ist für viele mehr als reine Selbsthilfe - "wir sind eine Gemeinschaft, wie eine große Familie", sagt Irmgard Heuschen. "Wer bei uns Mitglied wird, dem sollte eines klar sein: Alkoholsucht ist eine unheilbare Krankheit. Aber es ist die einzige, bei der wir es selbst in der Hand haben, sie zu stoppen."

Der Kreuzbund bietet zwei Selbsthilfegruppen für Suchtkranke an: donnerstags um 18 und um 20 Uhr im Gemeindezentrum Lukaskirche, Lindenplatz 12.

Irmgard Heuschen, Telefon 02131/518848 oder per E-Mail: imy.heuschen@web.de

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