Ab Samstag ist die „Spur der Steine“ in der Rathausgalerie zu sehen. Erstmals wird die Sammlung von Charlotte Bachmann öffentlich gezeigt.

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Georg Waldmann und Holger Kels (r.) zeigen einige der Exemplare, die man in der Rathausgalerie auch anfassen kann. Die beiden Wissenschaftler bieten auch Führungen an. Am 20. März ist ein Vortrag vorgesehen.

Georg Waldmann und Holger Kels (r.) zeigen einige der Exemplare, die man in der Rathausgalerie auch anfassen kann. Die beiden Wissenschaftler bieten auch Führungen an. Am 20. März ist ein Vortrag vorgesehen.

Uli Engers

Georg Waldmann und Holger Kels (r.) zeigen einige der Exemplare, die man in der Rathausgalerie auch anfassen kann. Die beiden Wissenschaftler bieten auch Führungen an. Am 20. März ist ein Vortrag vorgesehen.

Kaarst. Eine bedeutende Dokumentation der rheinischen Erdgeschichte wäre beinahe auf der Müllkippe gelandet. Die Geologen Holger Kels und Georg Waldmann retteten eine Sammlung von rund 1700 Steinen kurz vor ihrem Abtransport.

Zusammengetragen hatte sie die Holzbüttgenerin Charlotte Bachmann in den Kiesgruben entlang der Nordkanalniederung zwischen 1973 und 1982. Nach ihrem Tod 1983 hatte sie die Gesteine dem Geologischen Institut der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vermacht.

Wissenschaftliche Bedeutung: Grenze der Eiszeit nachweisbar

Zu ihrem Todestag am heutigen Samstag wird in der Rathausgalerie die Ausstellung "Spur der Steine - Die Rheingeröllsammlung der Charlotte Bachmann" eröffnet. Sie zeigt etwa 200 Funde aus der großen Sammlung, die seit der Rettungsaktion in einem Raum in der Kaarster Dreifachturnhalle lagert.

Dreieinhalb Jahre haben sie Kels und Waldmann aufbereitet. "Begonnen haben wir die Arbeit aus einem Gefühl von Heimatverbundenheit", sagt Georg Waldmann, der wie Holger Kels in Holzbüttgen aufgewachsen ist und Charlotte Bachmann als 13-Jähriger kennengelernt hatte.

Aus der Freizeitbeschäftigung ist inzwischen eine Arbeit von wissenschaftlicher Bedeutung geworden. "Wir können nun den südlichen Vereisungsrand beweisen", so Waldmann. Gemeint ist die Eiszeit vor 250 000 Jahren, die bis ins Rheinland reichte. Die Grenze verläuft nach Erkenntnissen der beiden Wissenschaftler entlang des Trietbachs in Kleinenbroich bis nach Büttgen. Die Wissenschaftler vermuten weitere Ausläufer bis Grevenbroich und Rosellen.

Charlotte Bachmann war keine Akademikerin, sondern hatte sich ihr geologisches Wissen als Autodidaktin angeeignet. Sie besuchte regelmäßig die Kiesgruben, beschriftete jeden Stein sorgfältig mit Fundort und Datum.

"Die Sammlung wird auch dadurch wertvoll, dass sich heutzutage niemand so viel Zeit zum Suchen nimmt", meint Holger Kels. Im Untergrund des Stadtgebiets schlummern rund 120 Gesteinstypen. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa gibt es eine so hohe geologische Vielfalt.

Während der Eiszeit traf so genanntes Geschiebe aus Skandinavien auf Flussgeröll aus dem Süden. Zur Sammlung von Charlotte Bachmann gehört auch ein Bimsgestein, das infolge eines Ausbruchs des Laacher-See-Vulkans in der Eifel vor 12 900 Jahren durch eine Flutwelle ins Rheinland transportiert wurde. Das rund zehn Zentimeter große Exponat ist eines der jüngsten Zeitzeugnisse. Die Chronik reicht bis in die Ära Proterozoikum vor einer Milliarde Jahren zurück.

Die Steine von Charlotte Bachmann sind geschützt in Vitrinen ausgestellt. Damit jeder Besucher ein Gefühl für Steine bekommen kann, haben Holger Kels und Georg Waldmann noch einige Exemplare in den Kiesgruben gesucht, die auch angefasst werden dürfen. Besonders Schulklassen sollen auf diese Weise Spaß an der Ausstellung bekommen.

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