Paul Neukirchen, Chef der Kreishandwerkerschaft, zieht Bilanz und schaut nach vorne.

interview
Die Smart Energy, seit sieben Jahren von der Kreishandwerkerschaft veranstaltet, verbindet Kunden und Betriebe.

Die Smart Energy, seit sieben Jahren von der Kreishandwerkerschaft veranstaltet, verbindet Kunden und Betriebe.

Paul Neukirchen, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, blickt für das Jahr 2013 optimistisch in die Zukunft.

nn, Bild 1 von 2

Die Smart Energy, seit sieben Jahren von der Kreishandwerkerschaft veranstaltet, verbindet Kunden und Betriebe.

Neuss. Der Jahreswechsel – Zeit, um Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu blicken. Das gilt auch im Handwerk. Die WZ sprach mit dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, Paul Neukirchen (58), über die Lage bei der „Wirtschaftsmacht von Nebenan“.

WZ: Herr Neukirchen, können Sie für das Jahr 2012 schon eine Bilanz ziehen?

Neukirchen: Nach der Herbstumfrage der Handwerkskammer Düsseldorf, die den gesamten Regierungsbezirk umfasst, lag der Geschäftsklimaindex bei 84 Prozent – einen solchen Wert gab es seit dem Wiedervereinigungsboom vor 20 Jahren nicht mehr. Im Rhein-Kreis Neuss lag er sogar bei 87 Prozent. Das ist absolut hervorragend. Rund 2900 Handwerksunternehmen haben hier im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

WZ: In welchen Bereichen gibt es Dinge zu verbessern?

Neukirchen: Die Kfz-Branche tut sich derzeit schwer. Da liegt die Zufriedenheit der Betriebe momentan auch nur bei 78 Prozent. Das wird sich wohl auch 2013 nicht ändern. Dort und in anderen Bereichen sind klare politische Vorgaben nötig. Zuschüsse und Programme wie eine Abwrackprämie für Heizkessel können zu Investitionen führen. Aber auch unsere eigenen Aktionen wie die Smart-Energy-Messe, die vor sieben Jahren startete, helfen, Kunden und Betriebe zusammenzubringen.

Paul Neukirchen ist seit 1980 bei der Kreishandwerkskammer tätig. Seit der Fusion zur Kreishandwerkskammer Niederrhein (Krefeld, Viersen und Neuss) im Jahr 2009 ist er Hauptgeschäftsführer.

Im Jahr 2012 machten im Rhein-Kreis Neuss rund 2900 Handwerksunternehmen mit insgesamt 16000 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro.

www.kh-niederrhein.de

WZ: Wie sieht Ihre Prognose für das Jahr 2013 aus?

Neukirchen: Wir bleiben auf diesem hohen Niveau, können Umsatz und Beschäftigung halten. Es wird keine Rezession geben. Und der Markt für energetische Gebäudesanierung ist lange nicht am Ende – da sind noch Generationen mit beschäftigt.

WZ: Stichwort Generationen: Von 2009 bis 2011 gibt es im Gesundheitsgewerbe nur drei Betriebe mehr. Ist das hinsichtlich des demografischen Wandels ein zu geringer Wert?

Neukirchen: Hier stehen wir erst am Anfang der Entwicklung. Die Auswirkungen werden wir in den nächsten Jahren sehen. Dabei richtet sich der Markt natürlich immer nach der lokalen Nachfrage.

WZ: Im August haben Sie gesagt, „wir freuen uns über jeden potenziellen Auszubildenden“. Hat das Handwerk ein Imageproblem bei jungen Leuten?

Neukirchen: Ja. Wir haben jedes Jahr rund 560 Azubis im Rhein-Kreis Neuss. Es gibt aber mehr Stellen. Deshalb gehen wir mit der Zeit und sprechen junge Menschen über Facebook oder Youtube an. Übrigens: Das Handwerk ist auch sehr attraktiv für Abiturienten und Studenten. Es bietet exzellente Karrierechancen: Man kann sich selbstständig oder den Meister machen oder auch nach einer Ausbildung noch studieren.

WZ: Was sind denn die Vorzüge des Handwerks?

Neukirchen: Wir sind die „Wirtschaftsmacht von Nebenan“, wie es der Slogan unserer Imagekampagne sagt. Beim Handwerk läuft es oft familiär ab. Die Betriebe werden vom jeweiligen Inhaber persönlich geführt. Das sind die Bäcker, Dachdecker, Kfz-Werkstätten, die man kennt und denen man vertraut. Die Zufriedenheit ist hoch, und wir bieten eine hohe Arbeitsplatzsicherheit.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer