Peter Dahlmann, Autohändler aus Passion, über seine Vorstellungen zur Opel-Zukunft.

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Peter Dahlmann vor einem kleinen Teil seiner Opel-Flotte. Privat fährt er – wenn es denn keinen offiziellen Termin gibt – Aston Martin.

Peter Dahlmann vor einem kleinen Teil seiner Opel-Flotte. Privat fährt er – wenn es denn keinen offiziellen Termin gibt – Aston Martin.

Uli Engers

Peter Dahlmann vor einem kleinen Teil seiner Opel-Flotte. Privat fährt er – wenn es denn keinen offiziellen Termin gibt – Aston Martin.

Neuss. Es ist leer hier, sagt Peter Dahlmann, als er durch die große Verkaufshalle an der Moselstraße geht. Nicht, dass zu wenig Interessenten da wären. Bei Opel Dresen wird ein Auto nach dem anderen verkauft. 120 Neuwagen werden jetzt erwartet.

"Opel ist gut", sagt Peter Dahlmann. Er sagt es fast trotzig, und wenn von dem Unternehmen Opel die Rede ist, spricht er von "wir". Man glaubt ihm, dass es mehr als Zweckoptimismus ist, wenn er sagt: "Ja, Opel kann gerettet werden."

WZ: Herr Dahlmann, im Dezember waren Sie im Bundeskanzleramt, vor zwei Tagen in Rüsselsheim. Können die Opel-Händler wirklich dazu beitragen, Opel zu retten?

Dahlmann: Ja, wir können einen nicht unerheblichen Beitrag leisten. Ich gehe davon aus, dass fast alle Opel-Händler auf einen Teil ihrer Marge verzichten. Die Bereitschaft ist sehr, sehr groß.

WZ: Für wie viel Opel-Händler können Sie sprechen, und wie viel Mittel könnte ein solches Konsortium aufbringen?

Dahlmann: Es geht um etwa 4500 Händler in Europa. Ein Prozent unserer Marge könnten zur Verfügung gestellt werden, das macht etwa 220 Millionen Euro - pro Jahr.

WZ: Wie haben Sie es geschafft, "Händler-Sprecher" zu werden?

Dahlmann: Es war zunächst einfach mal eine Idee mit der Beteiligung, als es bei GM so eng wurde. Das hat man ja kommen sehen. Dann hat ein Freund von mir das publiziert. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe, und dann musste ich raus aus der Deckung. Nach einem Gespräch waren gleich die zehn größten Opel-Händler in Deutschland dabei.

WZ: Ist angesichts der neuen Zahlen - mal geht es um 3, mal um angeblich 9 Milliarden Euro, die Opel Deutschland benötigt - die Idee einer Übernahme nicht utopisch?

Dahlmann: Nein. Wobei die Summe von 9 Milliarden Euro völlig aus der Luft gegriffen ist. Ich kann nur sagen: Wenn wir unser Geld von GM bekommen würden - das, was Opel vertraglich für die technische Entwicklung zusteht, was aber nicht gezahlt wird - dann brauchten wir gar nichts.

"Das Konzept einer Opel Europe AG ist absolut machbar."

Peter Dahlmann

WZ: Dann erklären Sie bitte den nicht-utopischen Plan.

Dahlmann: Es wird eine Opel Europe AG gegründet. Die Händler steuern etwa 220 Millionen Euro jährlich zu, auch von den Opel-Mitarbeitern kommt etwas. Die Bundesländer, in denen produziert wird, beteiligen sich, zumindest zu Beginn. Und GM ist mit einer Minderheitenbeteiligung von 30 bis 40 Prozent dabei. Das ist absolut machbar.

WZ: Halten Sie es denn für realistisch, dass GM sich von Opel trennen wird? Und kann eine wie auch immer geartete Übernahme funktionieren, nachdem jetzt bekannt ist, dass Opel die eigenen Patente nicht mehr besitzt?

Dahlmann: Ja, die Trennung ist realistischer als noch vor einigen Wochen. Wenn Obama Geld gibt, wird er es für den amerikanischen Markt geben, und nicht für Opel in Europa. Und die Patente? Die lagen doch immer schon bei GM. Wir zahlen ja auch jetzt Lizenzgebühren. Über die Höhe müsste man verhandeln.

WZ: Sie bieten in ihren Häusern Ford, VW, Audi, Nissan...Warum kämpfen Sie so zäh um den Erhalt von Opel?

Dahlmann: Wir sind seit 83 Jahren Opel-Vertragshändler. Mein ganzes Berufsleben ist davon geprägt. Da gibt es eine sehr starke emotionale Beziehung.

WZ: Versuchen Sie den Blick in die Zukunft: Auf welchem Weg ist Opel in einem Jahr?

Dahlmann: Opel existiert, losgelöst von GM. Und baut Autos in Europa. Über die Eigentümerstruktur kann ich jetzt wirklich nicht spekulieren. Aber in drei, vier Jahren wird Opel einen bedeutenderen Marktanteil haben als jetzt.

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