Das Projekt U18 organisierte eine bundesweite „Wahl“ für Jugendliche unter 18 Jahren.

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Schlange stehen in der Aula der Städtischen Realschule Kaarst, die für einen Tag zu einem Wahllokal umfunktioniert wurde.

Schlange stehen in der Aula der Städtischen Realschule Kaarst, die für einen Tag zu einem Wahllokal umfunktioniert wurde.

Städtische Realschule

Schlange stehen in der Aula der Städtischen Realschule Kaarst, die für einen Tag zu einem Wahllokal umfunktioniert wurde.

Kaarst. "Alles easy going", sagt Arnold Lehmann (16) und winkt ab. Lediglich eine Minute habe er gebraucht, um seine Unterlagen abzuholen und die Kreuze in der Wahlkabine zu machen, schätzt der Schüler. Am Freitag, neun Tage vor der Bundestagswahl, wurde die Aula der Städtischen Realschule zum Wahllokal umfunktioniert - für diejenigen, die am 27.September noch nicht wählen dürfen.

Die Kampagne U18 (Unter 18) wurde bundesweit gestartet, es ist die größte politische Bildungsinitiative für junge Menschen in Deutschland. Ziel ist es, künftige Erstwähler für Politik zu interessieren. In Kaarst wird das Projekt von den beiden Jugendzentren der Stadt, JC und Bebop, unterstützt. In Zusammenarbeit mit den Kaarster Schulen wurden die Schüler im Unterricht auf die Wahl vorbereitet.

"Es ist wichtig, die Jugendlichen an die Themen heranzuführen, auch im Zusammenhang mit den drei Wochen zurückliegenden Kommunalwahlen", erklärt Schulrektor Jürgen Bosse. Bei den Erstwählern könne man nicht von Politikverdrossenheit sprechen.

"Es ist eher ein Desinteresse. Oft heißt es: Das ist Sache der Erwachsenen. Wenn die Schüler merken, dass sie bei Themen wie Freizeitgestaltung oder Jugendtreffs mitbestimmen können, wird das Interesse automatisch geweckt", so der Rektor.

Der Wahlvorgang wird realitätsgetreu nachgestellt

Das bestätigt auch die Diplompädagogin Uta Goßen. "Man muss die Kinder da abholen, wo sie sind. Wir gehen in die Schulen, sprechen die Jugendlichen direkt an." Wenn man Bescheid wisse, mache Politik auch Spaß.

Der Wahlvorgang wurde so realitätsgetreu wie möglich gestaltet. "Die Kabinen sind vom Wahlamt geliehen. Bevor die Schüler wählen dürfen, müssen sie ihre Schülerausweise vorzeigen. Dann werden sie auf den Klassenlisten abgehakt", erklärt die Pädagogin.

"Indem wir alles genau wie bei einer richtigen Wahl praktizieren, nehmen wir ihnen die Angst vor ihrem ersten Urnengang." Es funktioniere prima. "Keiner hat bisher verweigert, alle wissen, was zu tun ist."

Die Schülerin Hannah Schönwald hat ihre Stimmen bereits abgegeben. Sie findet Politik jetzt interessanter als vorher. "Die Wahlprogramme wurden im Politikunterricht durchgesprochen", sagt die 15-Jährige. Zur Kommunalwahl habe sie eine Freundin begleitet. "Hätte ich gedurft, hätte ich auch einen Stimmzettel ausgefüllt", sagt sie.

Um 18 Uhr wurden die Wahllokale bundesweit geschlossen

Ihre Mitschülerin Viktoria Ungefug hätte ebenfalls gerne an der Kommunalwahl teilgenommen. "Leider war ich noch zu jung." Jetzt kann sie das Wählen zumindest üben. "In meinem Wahlfach Sozialwissenschaften haben wir die Themen sehr intensiv besprochen."

Das Fernseh-Duell von Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier hat sie verfolgt. "Es ist toll, dass wir jetzt informiert sind." Allerdings, so räumt die Schülerin ein, "hatte ich auf konkretere Antworten gehofft. Politiker reden oft um den heißen Brei herum. Da kann man noch so viel Wahlprogramme durchnehmen, genaue Antworten bekommt man dadurch nicht unbedingt."

Viktoria glaubt, das Ergebnis der U18-Wahlen werde anders ausfallen als das der Bundestagswahlen. "Jugendliche haben andere Interessen als Erwachsene", ist sie überzeugt. Um 18 Uhr wurden die "U18-Wahllokale" geschlossen. Bis gegen 22 Uhr lagen die Ergebnisse dann bundesweit vor.

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