Bürgermeister Reiner Breuer über sein neues Amt und seine Erwartungen für 2016.

Interview
Reiner Breuer sieht die Flüchtlingshilfe als wichtiges Thema für 2016.

Reiner Breuer sieht die Flüchtlingshilfe als wichtiges Thema für 2016.

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Reiner Breuer sieht die Flüchtlingshilfe als wichtiges Thema für 2016.

Herr Bürgermeister, der Glastisch in Ihrem Büro ist neu. . .

Reiner Breuer: Er ist gebraucht aus einem anderen Büro und steht für Transparenz. Diese neue Offenheit im Rathaus, in Politik und Verwaltung ist mir persönlich wichtig. Dafür ist der Glastisch ein kleines Symbol.

Sie sind seit zwei Monaten im Amt. Was hat Sie als Bürgermeistermeister am meisten überrascht?

Breuer: Die Tage erlebe ich länger, als sie in Wirklichkeit sind. Mich überrascht die Vielfalt, die Neuss zu bieten hat. Ich lerne jeden Tag etwas Neues. In der inneren Verwaltung. In der Bürgerschaft. In der Politik.

Sie sind kein Neuling in der Politik und Sie sind es gewohnt, in und mit der Öffentlichkeit zu leben. Ist es als Bürgermeister jetzt noch einmal schlimmer geworden?

Breuer: Nein, es ist schöner geworden. Im Kern hat sich nichts verändert. Aber als Bürgermeister werde ich jetzt noch etwas aufmerksamer wahrgenommen; meine Frau wird als „Frau Bürgermeister“ angesprochen. Aber wir gehen ja auch gern, da wo es passt, als Ehepaar gemeinsam zu Terminen. Ich finde es angenehm, wenn deutlich wird, dass der Politiker eine private Seite hat.

Lernen Sie in dieser Phase das Bürgermeisteramt kennen?

Breuer: So würde ich das nicht formulieren. Ich fange nicht bei Null an. Ich habe 20 Jahre Politik auf dem Buckel. Ich lerne jetzt aber Themen, Vorgänge und auch Menschen aus einer anderen Perspektive kennen.

Ist der Umgang mit Ihrer Partei, der SPD, für den Bürgermeister leichter und schwieriger geworden?

Breuer: Ich bin Sozialdemokrat und ich bleibe es. Aber ich bin kein SPD-Bürgermeister, sondern der Bürgermeister aller Neusser mit einem sozialdemokratischen Weltbild. Daher habe ich mein Parteiamt, das des stellvertretenden Kreisvorsitzenden, abgegeben. Mein Verhältnis zur SPD-Ratsfraktion ist gut; aber Fraktion und Bürgermeister werden sich noch frei schwimmen. Letztlich geht es in der Politik immer um Mehrheiten – auch wenn sie sich von Entscheidung zur Entscheidung unterschiedlich zusammensetzen.

Was steht auf Ihrem politischen Wunschzettel für das Jahr 2016?

Breuer: Oben auf der Liste steht die Flüchtlingshilfe. Wie schaffen wir es, ihnen ein Dach über den Köpfen anzubieten und sie als Neubürger in die Neusser Gesellschaft zu integrieren? Gleichzeitig müssen wir auch die Alteinwohner mitnehmen. Dazu benötigen wir bezahlbaren Wohnraum. Für Flüchtlinge und Alteingesessene. Da müssen Wohnungsbaugesellschaften die Schüppe in die Hand nehmen. Als Stadt benötigen wir ausreichend Flächen, damit eine neue Heimat für Neu-Neusser geschaffen wird.

Haben Sie eine gute Nachricht für das kommende Jahr?

Breuer: Wir werden die Stadtteile in den Fokus nehmen und schauen, wie wir sie stärken können. Außerdem erwarte ich einen initiierten Ratsbürgerentscheid, um für eine wichtige Weichenstellung einen möglichst breiten Rückhalt in der Bürgerschaft zu haben.

Sie machen uns neugierig. Zu welchem Thema? Zum Museum?

Breuer: Thema wird nicht verraten. Aber das Museum ist es nicht. Schenkung und Erweiterungsbau eignen sich nicht unbedingt in einen Ratsbürgerentscheid. Wer das ernsthaft will, will diese Initiative beenden.

Haben Sie eine schlechte Nachricht für das kommende Jahr?

Breuer: Für schlechte Nachrichten ist die Presse zuständig.

Warum sind Sie gezwungen, Planstellen zu schaffen?

Breuer: Die Verwaltung war personell auf Kante genäht. Jetzt kommt zusätzlich die Flüchtlingsbetreuung hinzu. Obwohl wir sparsam wirtschaften, mussten 50 neue Planstellen besetzt werden. Wenn wir keine Aufgaben aus der inneren Verwaltung abgeben, wird es dabei bleiben.

Wie Ihr Vorgänger Herbert Napp liegen Sie mit dem Kreis im Clinch. . .

Breuer: . . . wir streiten nicht, weil wir ein Feindbild haben. Wir acht Bürgermeister arbeiten unabhängig von der Parteizugehörigkeit sehr gut zusammen. Wir sind nicht gegen den Kreis, sondern wir haben die Interessen unserer Städte und Gemeinden zu vertreten. Das tun wir. Darum erwarten wir, dass der Rhein-Kreis auch an seine Rücklagen geht und dass er auf einen erneuten Doppelhaushalt verzichtet.

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