87 historische Orte im Stadtgebiet sollen Informationstafeln erhalten. Die Idee der Beschilderung ist mehr als zwei Jahre alt.

Die neuen Informationstafeln zeigten Harald Müller, Christiane Zangs und Jens Metzdorf (v.r.).
Die neuen Informationstafeln zeigten Harald Müller, Christiane Zangs und Jens Metzdorf (v.r.).

Die neuen Informationstafeln zeigten Harald Müller, Christiane Zangs und Jens Metzdorf (v.r.).

A. Woitschützke

Die neuen Informationstafeln zeigten Harald Müller, Christiane Zangs und Jens Metzdorf (v.r.).

Neuss. Nein, das sind schon keine Muster mehr: Die großformatigen Informationstafeln, die Harald Müller Besuchern zeigen kann, sind fertig und das erste greifbare Ergebnis des Projektes „Neuss historisch“. Noch verwahrt der Kulturamtsleiter die Prototypen in seinem Büro, doch nun sollen sie aufgehängt werden: Am Zeughaus, am Romaneum an der Brückstraße, wo es im Mittelalter ein Klosterzentrum gab, und an dem Bürgerhaus an der Oberstraße selbst, wo heute die Kulturverwaltung residiert. „Wir müssen nur noch klären, wer die Löcher bohren darf“, sagt Müller.

„Wir müssen nur noch klären, wer die Löcher bohren darf.“

Harald Müller, Kulturamtsleiter

Vor mehr als zwei Jahren wurde die Idee geboren, ein einheitliches System zu entwickeln, mit dem das historische Erbe der Stadt besser in Szene gesetzt und Neussern wie Besuchern der Stadt vermittelt werden kann. Maß genommen wurde an dem Projekt „Stadtpunkte“ der Residenzstadt Mannheim, die seit dem Jahr 2007 schon 160 solcher Tafeln angebracht hat. Bislang, so erfuhr Müller, gab es dabei „außerordentlich wenig Probleme wegen Vandalismus“.

Die drei Prototypen hat die Stadt bezahlt, vier weitere Tafeln sind in Arbeit. Finanziert werden sie vom Neusser Bauverein, der sich dazu aus Anlass seines 2016 zu feiernden 125-jährigen Bestehens entschloss. Firmensprecher Heiko Mülleneisen nennt die Standorte: Das ehemalige Hauptgebäude der Rheinland-Versicherung am Marienkirchplatz, das ehemalige Wasserwerk an der Weingartstraße, die ehemaligen Neska-Hallen am Hafenbecken I, dem heutigen „Haus am Pegel“ und Sitz des Bauvereins – und die Barbarakirche. „Weil“, so erklärt Mülleneisen, „wir einen großen Wohnungsbestand im Barbaraviertel haben.“ Und schließlich wollte man sich nicht nur für Objekte im Eigenbesitz engagieren. In der Innenstadt hat die Kulturverwaltung in Gesprächen mit Akteuren wie der Vereinigung der Heimatfreunde 40 denkbare Standorte identifiziert, 47 sind es in den Ortsteilen, sagt Müller. Eine Prioritätenliste ergibt sich daraus nicht, denn das Projekt soll alleine durch Sponsorengelder wachsen. Und wer bezahlt, darf auch bestimmen, wofür.

Die Sparkasse hat Interesse daran bekundet, die Hinweistafel für die 1938 zerstörte Synagoge zu stiften. Diese wird sicher die Maße der drei definierten Typen sprengen, denn auf ihr sollen auch die Namen aller 204 Neusser Juden verzeichnet sein, die im Holocaust ihr Leben verloren. Weitere mündliche Zusagen liegen vom Verkehrsverein für das Obertor und von der Bürgerstiftung für das Rathaus vor. Auch die Heimatfreunde, die schon etliche – nun zu ersetzende – Info-Tafeln gestiftet haben, wollen sich beteiligen.

„Bei den Tafeln soll deutlich werden: Da waren Fachleute am Werk“, umriss die Neusser Kulturdezernentin Christiane Zangs von Anfang an den selbst gesteckten Anspruch. Das Ergebnis, inhaltlich von Stadtarchivar Jens Metzdorf aufbereitet, hat zumindest die Politik in der Stadt Neuss schon überzeugt.

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