Neuss. Eigentlich hätte sich der Mann aus Syrien am Mittwoch vor dem Neusser Amtsgericht verantworten müssen. Er soll an der Bushaltestelle Augustinusplatz einer Frau ihr Handy entrissen haben. Die Polizei konnte ihn in einer Asylbewerberunterkunft am Alexianerplatz ausfindig machen, das gestohlene Handy hatte er laut Ermittlungen noch bei sich. Zum Prozess erschien der Mann allerdings nicht. „Nach unseren Erkenntnissen befindet er sich inzwischen in einer Flüchtlingsunterkunft in Kierspe im Sauerland“, so Amtsgerichtssprecher Kay Krüger. Er geht davon aus, dass der Syrer untergetaucht ist. „Er hat zwei Termine bei den Behörden in Kierspe verstreichen lassen, offenbar weiß derzeit niemand, wo er steckt.“ Die Staatsanwaltschaft reagierte, indem sie einen Haftbefehl erließ. Sobald er aufgegriffen wird, soll ihm in Neuss der Prozess gemacht werden.

Aus Gerichtskreisen heißt es, dass immer häufiger Verfahren gegen Flüchtlinge auf den Tisch kämen. Das berichtet zum Beispiel Richter Heiner Cöllen aus Neuss. Sein Kollege Kay Krüger ist zurückhaltender. „Von einer Häufung kann ich nicht berichten. Ich hatte einige Strafverfahren, in denen es um Ladendiebstähle ging, auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz waren dabei. Schwerwiegende Delikte kamen zum Glück eigentlich nicht vor.“ Auch Polizeibehörden, NRW-Innenministerium und die Gewerkschaft Polizei weisen darauf hin, dass es keine überproportionale Kriminalität von Flüchtlingen gibt. Zahlen des Instituts für Kriminalwissenschaften der Uni Münster stützen dies. Die Ereignisse aus der Silvesternacht führen jedoch zu einer anderen Wahrnehmung. Auch vor dem Neusser Amtsgericht müssen sich demnächst mehrere Männer wegen Sexualdelikten verantworten. Einer von ihnen soll im Bereich der Aral-Tankstelle an der Bergheimer Straße zwei junge Schülerinnen sexuell attackiert haben, zwei anderen werden Übergriffe auf ein junges Mädchen in einer S-Bahn zur Last gelegt. Die Polizei Düsseldorf hatte zwei Flüchtlinge in der Silvesternacht nach einer Sex-Attacke auf Frauen festgenommen. Auch sie waren in einem Asylbewerberheim in Neuss untergebracht und sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

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