201 Millionen Euro stehen für den Ausbau der Fahrrinne zur Verfügung. Schiffe könnten dann mehr Güter laden.

Der Hafen in Neuss ist an den Rhein angeschlossen.
Der Hafen in Neuss ist an den Rhein angeschlossen.

Der Hafen in Neuss ist an den Rhein angeschlossen.

Reuter

Der Hafen in Neuss ist an den Rhein angeschlossen.

Neuss. Der Neusser Hafen wird besser für Zeiten mit Niedrigwasser gerüstet. Dafür stellt der Bund entsprechendes Geld zur Verfügung. Die Kosten: 201 Millionen Euro. Auf der Wasserstraße zwischen Stürzelberg und Duisburg ist dafür eine Vergrößerung der Fahrrinnentiefe geplant – zwischen Duisburg und Neuss auf 2,80 Meter unter GIW (Gleichwertiger Wasserstand) und zwischen Neuss und Stürzelberg auf 2,70 Meter unter GIW. Der Gleichwertige Wasserstand bezeichnet eine Bezugsgröße, um Wassertiefen des Rheins zu ermitteln.

„Wir hoffen, dass das Vorhaben in fünf Jahren umgesetzt ist.“

Ulrich Gross, Hafendirektor

Durch die Maßnahme, die mit der Einstufung „Vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan steht und jetzt im Gesetz über den Ausbau von Bundeswasserstraßen veröffentlicht wurde, können Schiffe bei Niedrigwasser mehr Transportgüter transportieren und abladen. „Eine gute Nachricht“, betont Hafendirektor Ulrich Gross.

Zurzeit wird deutlich, wie sehr Niedrigwasser die Transporte auf dem Rhein beeinträchtigen kann. Die Wasserstände fallen bereits seit Anfang November, zurzeit hat der Rhein für die Jahreszeit ungewöhnlich wenig Wasser. Das hat Konsequenzen: Schiffe können zum Teil nur mit rund der Hälfte der Güter beladen werden. Der Rest wird auf die Straße verlagert – gerade die soll durch den Bundesverkehrswegeplan entlastet werden. Dazu soll die Maßnahme beitragen. Sie wird als Projekt zur „Abladeverbesserung und Sohlenstabilisierung am Rhein“ geführt. Derzeit beträgt die Fahrrinnentiefe zwischen Duisburg und Krefeld zwar bereits 2,80 Meter unter GIW, zwischen Krefeld und Köln – auf dieser Strecke liegt auch der Neusser Hafen – allerdings nur 2,50 Meter unter GIW. Unklar ist noch der Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahme. „Wir hoffen, dass das Vorhaben in fünf Jahren umgesetzt ist“, sagt Gross.

Etwas verhaltener äußert sich Jens Schwanen. Er ist Geschäftsführer des Verbandes der Binnenschiffer, der sich für die Aufnahme des Projekts in den Bundesverkehrswegeplan eingesetzt hat. „83 Prozent des Güterverkehrs der Binnenschifffahrt in Deutschland finden auf dem Rhein statt“, sagt er. Eine Zahl, die die Bedeutung der Wasserstraßen unterstreicht – und für die Region. Durch die geplante Maßnahme wird Wassertiefe gewonnen, Schiffe können dann auch bei niedrigerem Wasserstand voll- statt nur teilbeladen werden – ohne, dass die Gefahr besteht, auf Grund zu laufen. „Entsaisonalisierung der Nutzbarmachung des Rheins“ nennt Schwanen das Ergebnis der Fahrrinnenvertiefung. Es sei wichtig für den Industriestandort. Allerdings ist wohl Geduld gefragt. In der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mangelt es bundesweit an Fachpersonal. „Es fehlen rund 600 Ingenieure“, sagt Schwanen. Planungsprozesse verliefen daher nicht so schnell wie erwünscht.

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hat mit Blick auf den Bundesverkehrswegeplan auf die Bedeutung der Häfen hingewiesen. „Wir begrüßen die Maßnahme“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Sie ist für die Zukunft dringend notwendig.“

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