Bürgerprotest kann den Rat nicht umstimmen. Weg ist frei für Rewe.

Lessingplatz
Im Freien erläuterte Architekt Peter Rudawski am Donnerstag die Pläne für den neuen Supermarkt. (SB)

Im Freien erläuterte Architekt Peter Rudawski am Donnerstag die Pläne für den neuen Supermarkt. (SB)

NN

Im Freien erläuterte Architekt Peter Rudawski am Donnerstag die Pläne für den neuen Supermarkt. (SB)

Neuss. Auf die Frage, wie der Lessingplatz wiederbelebt werden soll, gibt die Stadt eine klare Antwort: durch den Bau eines Supermarkts. Dass die Reaktion auf diese Pläne in Norf gespalten ist, zeigte einmal mehr eine Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung am Donnerstag.

Befürworter und Gegner liefern sich Schlagabtausch

Rund 170 Einwohner waren gekommen, als der Architekt des Investors Rewe die Entwürfe erläuterte. Viele hatten bereits einen festen Standpunkt, Befürworter und Kritiker lieferten sich schon zu Beginn einen verbalen Schlagabtausch. Dass die meisten auch nach der Veranstaltung bei ihrer Meinung blieben, hatte wahrscheinlich nur wenig mit den unglücklichen Umständen zu tun.

Weil die Verwaltung von deutlich geringerem Interesse ausgegangen war, wollte sie die Pläne nach einer kurzen Vor-Ort Präsentation eigentlich in einer benachbarten Fahrschule erläutern. Da dort aber unmöglich alle Anwesenden Platz gefunden hätten, erläuterte der Norfer Architekt Peter Rudawski das Projekt durch ein schlecht funktionierendes Megafon und anhand von auf dem Rasen ausgebreiteten Zeichnungen im Freien.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Michael Klinkicht erläuterte als Moderator kurz das Bestreben von Politik und Verwaltung, bei „der Bau-Sünde der 70er Jahre“ den Schaden zu begrenzen.

Kritiker fürchten um Spielfläche und Grün

Wie schon im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss stellt Rudawski den Rewe-Markt mit einer überdachten Eingangsfassade zum Lessingplatz, einer vollständig in das Gebäude integrierten Anlieferung und 80 Kundenstellplätzen vor.

Immer wieder gibt es Zwischenrufe: „Markt ja, aber nicht direkt hier“, „Dann haben wir hier einen Verkehr wie in Allerheiligen“ oder „Kann ich meinen Stellplatz behalten“. Die Einwände gegen den Frischemarkt sind vielfältig. Einige Norfer wollen die Grünflächen erhalten, dem Kindergarten keine Spielfläche wegnehmen und vor allem die alten Bäume schützen. Manche bezweifeln, dass der Markt eine Wiederbelebung sein wird. Während die einen um die ohnehin knappen Parkplätze der Gegend fürchten, sehen andere die Schaffung der 80 Kundenparkplätze als ein „Zubetonieren der Gegend“ an. Sorgen macht Anwohnern auch ein mögliches „zumüllen“ des Platzes, wenn Schüler sich im Markt versorgten, die Abfälle aber auf die Straße werfen würden.

Befürworter schätzen Einkaufsmöglichkeit vor Ort

Befürworter des Marktes gibt es vor allem unter den älteren Norfern. Eine ist Karin Sprengler, die in der Uedesheimer Straße wohnt. „Es gibt hier einfach keine Einkaufsmöglichkeit – und was es gibt, ist so richtig muffelig“, sagt sie. Noch sei sie mobil, aber wenn sich das ändere, würde sie sich über gute Einkaufsmöglichkeiten vor Ort freuen.

Anny Rutha sieht beide Seiten. Sie wohnt über der Einkaufszeile und arbeitet in der Buchhandlung am Lessingplatz. „Für mich ist der Supermarkt die perfekte Lösung. Ich hoffe, dass viele Einwohner über ihren Schatten springen können und nicht gegen das Projekt ankämpfen.“ Rutha kann die Einwände zwar verstehen, empfindet den Supermarkt aber als letzte Chance. „Wenn es keine Frequentierung des Lessingplatzes gibt, kann man auch keine Umsätze machen und dann können sich hier auch keine Läden halten.“

Ganz in ihrem Sinn gab der Rat am Freitag Abend grünes Licht für den Markt.

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