Umgestaltung: Zwischen Grevenbroich und Bedburg wurde auf 300 Metern Länge die Uferböschung der Erft entfernt.

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Mit dem Schreitbagger trägt Ulrich Hilgers die Uferböschung ab. Das Besondere am Bagger sind die spinnenbeinartigen Stützen, die zusätzlich zu den Rädern auch Arbeiten an steilen Hängen oder im Wasser ermöglichen.

Mit dem Schreitbagger trägt Ulrich Hilgers die Uferböschung ab. Das Besondere am Bagger sind die spinnenbeinartigen Stützen, die zusätzlich zu den Rädern auch Arbeiten an steilen Hängen oder im Wasser ermöglichen.

Georg Salzburg

Mit dem Schreitbagger trägt Ulrich Hilgers die Uferböschung ab. Das Besondere am Bagger sind die spinnenbeinartigen Stützen, die zusätzlich zu den Rädern auch Arbeiten an steilen Hängen oder im Wasser ermöglichen.

Grevenbroich. Es mutet ein wenig skurril an, wie Ulrich Hilgers da in seinem Schreitbagger sitzt und aus dem Flussbett der Erft heraus die Uferböschung abträgt. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, was wirklich hinter den Arbeiten steckt. Auf einer Länge von 300 Metern zwischen Bedburg und Grevenbroich entfernt der Erftverband die Uferbefestigungen. All das, was den Fluss über Jahre künstlich begradigt und geleitet hat, soll nun im Rahmen des Projekts "Erftumgestaltung 2045" ganz natürlich verschwinden.

Fußgänger und Radfahrer können künftig nur die linke Uferseite nutzen

Dazu gehört auch, dass die Steinaufschüttungen, die bislang am Rand des Ufers das Flussbett begrenzten, nun im Wasser auf dem Grund landen. "Die Erft kann jetzt eine eigene Dynamik entwickeln und sich ganz eigenständig verändern", erklärt Planingenieurin Andrea Scholten den Zweck des Pilotprojekts. Das Wasser könne sich künftig ins Erdreich einarbeiten und so fließen, wie es die natürlichen Bedingungen erlauben.

"Auf diese Weise entsteht eine Aue, die vielen Tierarten einen neuen Lebensraum bietet. Darunter beispielsweise auch dem Eisvogel", fügt sie hinzu. Zusätzliches Totholz, das noch in den Fluss verfrachtet werden soll, bietet weiteren Kleinstlebewesen und Fischen neuen Lebensraum. "Das Ziel dieser Maßnahmen liegt schlicht darin, die Artenvielfalt zu steigern. In welchem Zeitraum das geschieht, ist dabei zweitrangig", betont Wulf Lindner, Vorstand des Erftverbandes.

Während sich die Veränderungen bei Flora und Fauna auf Jahre hinziehen können, müssen sich Spaziergänger schon jetzt auf Neues einstellen. Seit Beginn der Bauarbeiten kurz vor Weihnachten ist der Weg am rechten Ufer für den Durchgang gesperrt. Das wird er künftig auch bleiben, denn wenn durch die Strömungskraft des Wassers das Ufer neugeformt wird, wird auch der Betriebsweg des Erftverbandes abgetragen. Auf der linken, westlichen Seite können Fußgänger und Radfahrer sich jedoch weiterhin bewegen.

"Die Kosten für die aktuellen Arbeiten liegen bei 40000 Euro, 80 Prozent übernimmt das Land", sagt Wulf Lindner. Er verweist auch auf den nächsten Schritt des Großprojekts. Dann soll die Maßnahme in Richtung Süden weitergeführt werden. Auf einer 1700 Meter großen Fläche soll auf einer Länge von 500 Metern die gesamte Uferbefestigung entfernt werden. "Pläne gibt es bereits, aber umgesetzt werden sie erst, wenn alle Grundstücke gekauft, Planfeststellungsverfahren erarbeitet und die Bevölkerung einbezogen ist", sagt Lindner. Ein genaues Datum steht noch nicht fest.

Ulrich Hilgers, der eigentlich Leiter des Betriebshofes des Erftverbandes ist, wird wohl auch dann wieder Platz im Bagger nehmen und vom Wasser aus die Uferböschung abtragen.

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