Jubiläum: Vor 100 Jahren kam das Produkt erstmals auf den Markt und machte Grevenbroich zur Hauptstadt der Aluminiumfolie.

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So sehen die Produktionshallen heute aus.

So sehen die Produktionshallen heute aus.

privat/ Büntig

So sehen die Produktionshallen heute aus.

Grevenbroich. Ob das Produkt aus dem eigenen Werk stammt, erkennt Stefan Kästner am Knistern der Folie. Kästner ist 57 Jahre alt und arbeitet seit über 25 Jahren für Hydro Aluminium. Heute ist er Leiter des Walzwerks. Auch seine Eltern waren im Unternehmen tätig. Der Geburtstag der Alufolie ist damit auch für Kästner ein besonderer. Wohl ebenso der der Toblerone-Schokolade. Die Firma aus Bern war die erste, die ihre Schokolade statt in Stanniol in Alufolie einwickeln ließ. "Zulieferer war der Schweizer Ingenieur Victor Neher, der 1910 das erste Alufolien-Walzwerk in der Schweiz errichtet hatte", berichtet Kästner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg muss das Unternehmen neu anfangen

100 Jahre wird die Alufolie damit in diesem Jahr alt und Kästner feiert mit - auch wenn das Werk in Grevenbroich noch kein ganzes Jahrhundert auf dem Markt mitmischt. 1915, der Erste Weltkrieg tobt, ist das Metall rar. Die Kriegsmetall AG hat den Auftrag, eigene Aluminiumhütten zu errichten, um die Versorgung zu sichern.

1922 gründet sich das Unternehmen "Rheinische Blattmetall", die heutige Walzsparte der Hydro, in Grevenbroich. Damals hielt man den Standort für ideal, erzählt Kästner. Es war geplant, den Rhein-Maas-Kanal am Werk vorbeizuführen. Der Kanal kam nicht, das Werk blieb.

Heute gilt Grevenbroich, so Kästner, als Hauptstadt der Alufolie. Auf wenig mehr als sechs Mikrometer pressen die modernen Folienwalzen das Aluminium im Werk. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar misst 55 Mikrometer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg muss das Unternehmen unter dem Namen REBAG neu anfangen. Bei einem Luftangriff war das Hauptmagazin beschädigt worden, die US-Truppen beschlagnahmten die Walzen. Gerade einmal 26 Mitarbeiter zählt die Firma 1946. Doch es geht aufwärts. Das Unternehmen wächst, beginnt zu exportieren, zum Beispiel in die USA, wo es Wrigley’s die Verpackung fürs Kaugummi liefert.

Zunehmend drängen die Chinesen mit eigener Folie auf den Markt

Vor dem letzten Walzstich wird das Material aufeinandergelegt, also gedoppelt, die äußere Seite kommt in Kontakt mit den Walzen und erhält dadurch ihren Glanz, die Innenseiten bleiben matt. Für den Kunden hat das keine Bedeutung. Ob so oder andersherum - der Effekt bleibt der gleiche.

Nach einem Auftrag der Firma TetraPak, die mit der Alufolie ihre Getränkekartons beschichtet, bricht REBAG 1961 zur Weltspitze auf, fusioniert 1983 zur "VAW aluminium AG", die Norsk Hydro 2002 kauft.

Heute verfüge das Unternehmen mit der Großanlage "Serie 2" über eine der modernsten Anlagen der Welt, sagt Manfred Mertens, Leiter Packaging & Building, und ungefähr ebenso lange im Unternehmen tätig wie Kästner.

Doch das Aluminium hat Konkurrenz. Zahnpasta gibt’s jetzt in der Plastiktube. Zudem drängt China mit eigenen Produkten auf den Markt. Mertens blickt dennoch positiv in die Zukunft. Tabletten, Schokolade, Säfte - es gebe genug Produkte, die auf die Folie nicht verzichten können. Unter ihnen auch die Zahnpasta in der Plastiktube. "Denn den hygienischen Verschluss fertigen immer noch wir." Das Unternehmen stelle sich auf die neuen Anforderungen ein. Ziel sei es, eine Folie zu entwickeln, die nur drei Mikrometer misst. "Und das schaffen wir auch."

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