Seit 40 Jahren bietet die Familienberatung der Caritas Hilfe für häusliche Problemfälle an.

Blumen zum Jubiläum: Birgit Röttgen und Norbert Kallen freuen sich über das 40-jährige Bestehen.
Blumen zum Jubiläum: Birgit Röttgen und Norbert Kallen freuen sich über das 40-jährige Bestehen.

Blumen zum Jubiläum: Birgit Röttgen und Norbert Kallen freuen sich über das 40-jährige Bestehen.

Uli Engers

Blumen zum Jubiläum: Birgit Röttgen und Norbert Kallen freuen sich über das 40-jährige Bestehen.

Grevenbroich. "Es hat sich fachlich einiges entwickelt", sagt Birgit Röttgen, wenn sie auf 40 Jahre Erziehungs- und Familienberatungsstelle (EFB) Grevenbroich zurückblickt. Die Diplom-Psychologin leitet die Einrichtung seit 1987.

"Früher waren solche Fälle nicht seltener, sie wurden nur totgeschwiegen"

(Birgit Röttgen über das Thema sexueller Missbrauch)

Die EFB bietet Sprechstunden und Gruppen in Familienzentren und Offenen Ganztagsschulen an, ferner therapeutische Kindergruppen in Schulen und eine Reihe von unterschiedlichen Beratungsangeboten.

Als "Psychologische Beratungsstelle der Katholischen Kirchengemeinde St. Josef für den Landkreis Grevenbroich" wurde die EFB 1969 als erste Einrichtung ihrer Art in Grevenbroich eröffnet, den heutigen Namen erhielt sie 1987.

Der Caritasverband hatte schon 1972 die Trägerschaft übernommen. Derzeit unterhält die EFB fünf Anlaufstellen in Grevenbroich und weitere vier in Jüchen. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 424Familien die Dienste der Einrichtung in Anspruch genommen.

Neben Gewalt ist sexueller Missbrauch in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema geworden. "Früher waren solche Fälle nicht seltener, sie wurden nur totgeschwiegen", ist Brigitte Röttgen überzeugt. Dass solche Themen heute zur Sprache kommen, ist auch ein Verdienst von Einrichtungen wie der Erziehungs- und Familienberatungsstelle.

Auch die Beratung hat sich verändert. Beschränkten sich Therapeuten und Berater noch vor wenigen Jahrzehnten auf das Problem des einzelnen Klienten, betrachten sie inzwischen das gesamte Umfeld.

"Früher suchten etwa Familien bei uns Rat, weil das Kind einnässte, die Lösungsansätze der Berater beschränkten sich ebenfalls auf das Kind. Heute würde sich beim Gespräch etwa herausstellen, dass das Kind einnässt, weil die Ehe kaputt ist. So lassen sich Lösungen finden, die an der Wurzel des Problems ansetzen."

Der Fokus weg vom Einzelnen als "Problemfall", hin zur Gemeinschaft habe sich auch bei Problemen wie Mobbing in Schulklassen als erfolgreich erwiesen, so der EFB-Jahresbericht 2008.

Ein Schwerpunkt ist das Projekt "Schulklassen als Orte sozialen Lernens", das die Atmosphäre im Klassenverband verbessern soll. Versuchten die Berater früher, dem Mobbing-Opfer durch Psychotherapie zu helfen-mit nur geringen Erfolgen-geht es heute darum, die schwierigen sozialen Beziehungen unter den Schülern zu verändern. Das Ergebnis: Eine bessere Klassengemeinschaft.

2008 schloss die EFB 19 Kooperationsverträge mit Familienzentren, Kindertagesstätten und Schulen. Norbert Kallen, Vorstand des Caritasverbandes, ist zufrieden: "Die Vernetzung wächst, auch in der Kooperation mit den Jugendämtern."

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