NRW-Minister Andreas Krautscheid besichtigte die RWE-Großbaustelle in Neurath.

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Die Bauarbeiten im Rücken, den Blick voraus: NRW-Minister Andreas Krautscheid, Projektleiter Reinhold Elsen und Bürgermeister Axel Prümm (v.li).

Die Bauarbeiten im Rücken, den Blick voraus: NRW-Minister Andreas Krautscheid, Projektleiter Reinhold Elsen und Bürgermeister Axel Prümm (v.li).

Uli Engers

Die Bauarbeiten im Rücken, den Blick voraus: NRW-Minister Andreas Krautscheid, Projektleiter Reinhold Elsen und Bürgermeister Axel Prümm (v.li).

Grevenbroich. Um 9 Uhr morgens ist auf der Energiestraße nur selten ein Auto unterwegs. Dampf aus den umliegenden Kühltürmen steigt in den Winterhimmel. Stahl, Beton, Rohre und Kräne prägen das gewohnte Bild.

Eine Woche lang sorgte der starke Frost auf der RWE-Großbaustelle für einen Baustopp. Seit Dienstag sieht man auf dem 52 Hektar großen Areal (60 Fußballfelder) wieder die weißen Helme der Bauarbeiter. 1700 Menschen arbeiten derzeit auf Europas größter Baustelle, im Frühjahr werden es 2500 sein.

Auf Einladung von Bürgermeister Axel Prümm kam am Donnerstag Besuch aus der Düsseldorfer Staatskanzlei nach Neurath: Andreas Krautscheid (CDU), NRW-Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein und besichtigte das Gelände, auf dem bis zum Jahr 2011 das größte Braunkohlekraftwerk der Welt entsteht.

Die Doppelblockanlage mit einer Leistung von 2100 Megawatt setzt nicht nur hinsichtlich Leistung, Wirkungsgrad und Emmionsbilanz neue Messlatten. Mit einer Höhe von 170 Metern überragt das Kesselhaus auch alle anderen in Deutschland bislang gebauten Kraftwerke. Entsprechend beeindruckt war der Minister. Auf einer kurzen Rundfahrt besichtigte er die Maschinenhalle, in der Turbinen und Generator aufgestellt sind, sowie die Zentrale, von der das Kraftwerk künftig rund um die Uhr gesteuert wird.

"Durch den Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine bekommt das Thema Energiesicherung eine ganz andere Bedeutung", sagte der Minister. Mehr als 25 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms stammt derzeit aus Braunkohle. Trotz ehrgeiziger Klimaschutzziele in Europa könne auf fossile Dampfkraftwerke nicht verzichtet werden, so der Minister. Daher müsse in moderne Anlagen und Technologien weiter investiert werden. Altanlagen sollten schnell vom Netz gehen, faire Vereinbarungen getroffen werden.

Sobald der neue Doppelblock BoA 2/3 im Jahr 2010/11 in Neurath ans Netz geht, wird RWE sechs alte Blöcke abschalten. Bis Ende 2012 würden alle 150 Megawatt-Blöcke abgeschaltet. "Der verbindliche Fahrplan steht", bestätigte gestern RWE-Vorstandsmitglied Matthias Hartung.

Auch in Zukunft will der Konzern im rheinischen Revier in den Kraftwerksbau investieren. "Die BoA-Anlage in Neurath ist ein erster ambitionierter Schritt im europäischen Wettbewerb", meint Hartung. In Hürth will RWE weiterhin das erste CO2-arme Kraftwerk errichten. Maßgeblich sei zudem die Kohlevortrocknungstechnik, die schon jetzt am Standort Niederaußem getestet werde. "Mit dieser Technik ist ein Kraftwerk noch ein Stück moderner als jetzt die BoA 2/3."

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