Charlotte Häke organisierte am Freitag den zweiten Grevenbroicher Behindertentag. Einzelne Projekte sind in Planung.

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Der Alltag von Menschen mit Handicap birgt oft viele Hindernisse – auch in öffentlichen Gebäuden. Der Bernardussaal, in dem am Freitag der Behindertentag stattfand, soll mit neuer Technologie für Hörgeschädigte ausgestattet werden.

Der Alltag von Menschen mit Handicap birgt oft viele Hindernisse – auch in öffentlichen Gebäuden. Der Bernardussaal, in dem am Freitag der Behindertentag stattfand, soll mit neuer Technologie für Hörgeschädigte ausgestattet werden.

Uli Engers

Der Alltag von Menschen mit Handicap birgt oft viele Hindernisse – auch in öffentlichen Gebäuden. Der Bernardussaal, in dem am Freitag der Behindertentag stattfand, soll mit neuer Technologie für Hörgeschädigte ausgestattet werden.

Grevenbroich. Die Behindertenbeauftragte Charlotte Häke lud am Freitag zum zweiten Behindertentag in den Bernardussaal. Im Gegensatz zur Premiere in 2007 gab es diesmal statt einer Festveranstaltung Vorträge von Fachleuten zum Thema Barrierefreiheit. Im Zentrum stand die Frage: Wie können öffentliche Gebäude und Wohnhäuser für Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte und Schwerhörige zugänglich gestaltet werden?

Unter den Besuchern waren neben Vertretern aus Stadtrat und Wohlfahrtsverbänden auch etwa zehn behinderte Menschen, die ihre Fragen und Anregungen nur schüchtern vorbrachten, so jedenfalls der Eindruck von Charlotte Häke: "Viele Betroffene scheuen sich davor, Fragen zu stellen und sind froh, wenn ein anderer die Dinge für sie regelt." Dabei wäre es der Behindertenbeauftragten lieber, wenn sich ein größerer Teil der zirka 9500 betroffenen Grevenbroicher in die Planungen einbringen würde.

Gesetzlich vorgeschrieben ist barrierefreies Bauen nur für Neubauten. Für den Umbau von Altbauten müssen die Behindertenverbände mit der Kommune jeweils so genannte Zielvereinbarungen schließen. Bisher gelten Zielvereinbarungen nur in Aachen und Duisburg, in 21 anderen Städten laufen die Verhandlungen noch. Tatsächlich ist Duisburg Vorreiter in Sachen Barrierefreiheit. "Wir sind wohl die Kommune mit den meisten Anfragen von Architekten", schätzte die dortige Behindertenkoordinatorin Petra Stry, die ihre Arbeit in einem Vortrag präsentierte.

Noch sind keine Zielvereinbarungen, aber immerhin einzelne Projekte in Grevenbroich geplant, etwa Orientierungshilfen für Seh- und Hörbehinderte im Rathaus. Außerdem soll der Bernardussaal mit Hörhilfen für bis zu zehn Schwerhörige ausgestattet werden. "Die Gespräche mit der Stadtverwaltung verlaufen sehr produktiv", berichtete Charlotte Häke.

"Barrierefreiheit sollte selbstverständlich werden"

Darüber hinaus modernisiert der Bauverein einen Komplex von 260 Wohnungen an der Hans-Sachs-Straße. Außerdem auf der Agenda: Der Umbau von fünf Ampelanlagen und der Unterführung Zedernstraße. Angesichts von 2,6 Millionen Behinderten im Land ist barrierefreies Bauen eine Investition in die Zukunft, ist Anke Schwarze von der Agentur "Barrierefrei" überzeugt. Die Einrichtung kümmert sich im Auftrag des Landesbehindertenrates Nordrhein-Westfalen darum, dass die gesetzlichen Regelungen umgesetzt werden.

Der Architekt Frank Opper, seit einem Unfall querschnittgelähmt, kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Opper wünscht sich eine Sensibilisierung der Gesellschaft. Barrierefreiheit sollte selbstverständlich werden, so der Kaarster in seinem Vortrag. Davon würden nicht nur behinderte Menschen profitieren, sondern alle, die zeitweilig durch Krankheit oder mit dem Alter in ihren Bewegungen eingeschränkt sind. Das Fazit von Opper: "Was wir hier machen, kommt jedem zugute - irgendwann."

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