Fernwärmenetz: Bei einer Infoveranstaltung macht RWE den Neurathern wenig Hoffnung. Jeder Hausbesitzer müsste sich am Ausbau des Fernwärmenetzes mit mindestens 15.500 Euro beteiligen. Dazu kämen noch der eigentliche Hausanschluss und die Umstellung der Heizungsanlage.

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Vizebürgermeister Manfred Kauertz (SPD) (li.) macht sich für den Ausbau von Fernwärme in Neurath stark.

Vizebürgermeister Manfred Kauertz (SPD) (li.) macht sich für den Ausbau von Fernwärme in Neurath stark.

Stephan Eppinger

Vizebürgermeister Manfred Kauertz (SPD) (li.) macht sich für den Ausbau von Fernwärme in Neurath stark.

Grevenbroich. "Wir sind so weit weg von einer Chance, das Fernwärmeprojekt in Neurath umzusetzen. Selbst für Straßenzüge, die leicht erschließbar sind, ist das wirtschaftlich nicht darstellbar", sagt RWE-Kraftwerksdirektor Eberhard Uhlig den etwa 80Hausbesitzern, die am Dienstagabend ins Haus Neurath gekommen sind.

Zuvor hatte der Geschäftsführer der Gas- und Wasserwerke Grevenbroich (GWG), Willi Peitz, den Neurathern vorgerechnet, wie teuer ein Anschluss an das Fernwärmenetz wäre. Demnach müsste sich jeder Hausbesitzer am Ausbau des Fernwärmenetzes mit mindestens 15.500 Euro beteiligen. Dazu kämen noch der eigentliche Hausanschluss und die Umstellung der Heizungsanlage, sagte Peitz.

Insgesamt 4,5 Millionen Euro soll das Verlegen der sechs Kilometer langen Fernwärmeleitungen in Neurath kosten. Eine Umfrage der GWG hatte ergeben, dass von 477 Hausbesitzern 123 Interesse zeigen, sich in den kommenden fünf Jahren ans Netz anschließen zu lassen. 109 waren sich noch unschlüssig, 245 lehnen den Anschluss entweder ab oder haben nicht geantwortet.

"Dabei sind wir bei den Kosten für die Hausbesitzer von einer hundertprozentigen Abdeckung ausgegangen", erklärt Peitz. Seine Zahlen werden von Mitgliedern des Arbeitskreises angezweifelt: Dort geht man von einem Investitionsvolumen von 2,7 Millionen Euro aus und bezieht unter anderem Zuschüsse und niedrige Baukosten durch eine Ausschreibung mit ein.

Auch die Zahl der Anschlusswilligen beurteilt man dort eher positiv und fordert die GWG auf, erst die Kosten zu senken und dann noch einmal für das Projekt zu werben. "Ich halte diese Rechnung für problematisch, weil es unsicher ist, ob es überhaupt Zuschüsse gibt. Außerdem muss eine Ausschreibung nicht unbedingt weniger Kosten mit sich bringen", weist Peitz die Kritik an seiner Rechnung zurück.

Für den stellvertretenden Bürgermeister Manfred Kauertz (SPD) sollte RWE die Kosten für den Ausbau der Fernwärme komplett übernehmen, um die Belastungen, die den Neurathern durch die Anlagen der RWE entstehen, auszugleichen.

"Wir haben den BoA-Blöcken zugestimmt und auch andere RWE-Projekte akzeptiert, dafür sollte man uns nun entgegenkommen. Das müssen Sie Ihren Vorständen klar machen", sagt Kauertz unter dem Beifall der Anwesenden. Man werde keine Ruhe geben, bis ganz Neurath Fernwärme habe.

Für den Kraftwerksdirektor ist eine komplette Übernahme der Kosten durch RWE nicht realistisch: "Die Region ist darauf angewiesen, dass zwei Standbeine funktionieren. Das sind die Bereiche Aluminium und Energie. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und müssen den Standort sichern und weiterentwickeln", betont Uhlig.

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