Der letzte Neusser Aaalschocker steht vor seiner letzten Reise. Die ist Auftakt für ein zweites Leben der „Fiat Voluntas“.

Woitschützke

Neuss/Monheim. Auch in ihren besten Tagen ist die „Fiat Voluntas“ nie über den Rhein hinausgekommen, jetzt geht der letzte Neusser Aalschocker im Schlepp und per Tieflader aber auf große Fahrt. Die längste Reise soll auch seine letzte werden, denn das 1937 im niederländischen Schiedam auf Kiel gelegte Schiff wird in Berlin zum Museumsschiff umgebaut und als solches auf dem Gelände der ehemaligen Aalräucherei Ubber im Ortsteil Baumberg der Stadt Monheim an Land aufgestellt werden. Rund zwei Millionen Euro ist das der Stadt Monheim wert, spätestens im ersten Halbjahr 2018 soll es besucht werden können.

Vor zwei Jahren hat die in Steuergeldern regelrecht schwimmende Nachbarstadt am Rhein die „Fiat Voluntas“, das einzige schwimmende Objekt auf der Denkmalliste der Stadt Neuss, für den Schnäppchenpreis von lediglich 2000 Euro erworben.

15 Meter hohe Mast sorgte für Probleme

Die Stadt Neuss, der Eigner Wilhelm Wirtz das Boot ebenfalls und mehrfach angeboten hatte, biss dagegen trotz Schnäppchenpreises nie an. Seitdem hat der Hafenmeister im Sporthafen auf den Tag gewartet, an dem sein „Bötchen“ zum letzten Mal ablegt. „Versandfertig“ wurde das Schiff schon gemacht. „Der Mast musste umgelegt werden, der mit 15 Metern eine immense Höhe hat“, sagt Wirtz. Zu hoch jedenfalls für einen Transport auf der Straße. Nun warten er und die anderen Projektbeteiligten auf höhere Wasserstände im Rhein. Grund: Das Schleppschiff, das die „Fiat Voluntas“ längsseits nehmen und zunächst nach Krefeld bringen wird, hat zwei Meter Tiefgang – und der aktuelle Pegel reicht nicht, um den Rhein bis Neuss hinaufzukommen. In Krefeld wartet dann ein Spezialkran, der das 16 Meter lange und etwa 30 Tonnen schwere Boot aus dem Wasser und auf einen Tieflader hievt, der es nach Berlin bringt.

Dort übernimmt der auf solche „Schätzchen“ spezialisierte Architekt Arthur Fischer mit der Werft Mal aus Oranienburg die Umgestaltung des Schiffes, dessen Rumpf zwar intakt ist, dessen Aufbauten allerdings in marodem Zustand sind. Parallel wird in Monheim der Rahmen geschaffen, in dem einer der letzten originalen Aalschocker auf dem Rhein präsentiert werden soll. Der Entwurf stammt von dem Kasseler Büro „HHS Planer + Architekten AG“, das sich vor zwei schwere Aufgaben gestellt sah. Erstens, sollte das Boot so inszeniert werden, erklärt Vorstandssprecher Günter Schleiff, dass es nicht von unten angesehen werden muss.

Freiraum um das Schiff wird mit begehbarem Netz verschlossen

Aus einer solchen Perspektive sehe man ja Schiffe auch sonst nicht. Zweitens liegt der Standort an einem Wanderparkpatz am Rhein in einer Flutmulde, er wäre von Hochwasser bedroht. „Das Problem mussten wir erst einmal lösen“, sagt Schleiff. Die Lösung sieht vor, den kleinen Aalschocker in ein dreieckiges Podest einzubetten, das bis auf eine Höhe von 2,40 Metern ansteigt. Von der höchsten Stelle aus kann das Schiff dann betreten und erkundet werden. In dieser Konstruktion soll das Boot „wie angeschwemmt“ wirken, sagt Schleiff.

Der Freiraum rund um den Schiffskörper wird mit einem begehbaren Netz verschlossen, wie man es von Spielplätzen kennt. Dieser schwankende Untergrund vermittelt dem, der darauf herumklettert, das Gefühl von Wellengang. Das Podest selbst wird fest im Boden verankert, das Schiff jedoch liegt lose auf einem Gestell auf, damit es bei Hochwasser aufschwimmt, aus dem „Mini-Hafen“ aber nicht abtreiben kann.

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