Die SPD wollte die bislang vierzügige Schule erweitern. Die Kaarster Politik entschied jetzt mit einer hauchdünnen Mehrheit dagegen.

Die SPD wollte die bislang vierzügige Schule erweitern. Die Kaarster Politik entschied jetzt mit einer hauchdünnen Mehrheit dagegen.
Die Bezirksregierung hatte die Erweiterung schon genehmigt. Die Mitglieder des Schulausschusses waren allerdings nicht überzeugt. Archiv

Die Bezirksregierung hatte die Erweiterung schon genehmigt. Die Mitglieder des Schulausschusses waren allerdings nicht überzeugt. Archiv

Anja Tinter

Die Bezirksregierung hatte die Erweiterung schon genehmigt. Die Mitglieder des Schulausschusses waren allerdings nicht überzeugt. Archiv

Büttgen. Wenn die Festlegung der Zügigkeiten an den weiterführenden Schulen auf der Tagesordnung des Schulausschusses steht, sind Meinungsverschiedenheiten programmiert. Das war diesmal nicht anders: Die SPD hatte beantragt, die Gesamtschule als fünfzügige Schule auszuweisen. Die Abstimmung erbrachte ein denkbar knappes Ergebnis: Sieben der Ausschussmitglieder stimmten dafür, acht dagegen.

Die Gesamtschule wird sehr gut angenommen. Sie ist im Schulentwicklungsplan als vierzügig ausgewiesen. Für das aktuelle und das Schuljahr 2018/19 wurde bei der Bezirksregierung die Fünfzügigkeit beantragt und auch genehmigt. Mit Schreiben vom 26. April teilte die Bezirksregierung mit: „Der Bildung einer Mehrklasse an der Städtischen Gesamtschule Büttgen wird letztmalig zugestimmt.“

Schuldezernent Semmler glaubt, es könne künftig Ausnahmen geben

Darauf machte Wolfgang Reuter (SPD) jetzt im Ausschuss aufmerksam. Die Bezirksregierung hatte unter anderem ausgeführt, dass das Instrument der Einrichtung einer Mehrklasse eine Maßnahme sei, welche nur ausnahmsweise zugelassen werden könne. Aus Düsseldorf kam der Rat, eine dauerhafte Erhöhung auf fünf Eingangsklassen in den politischen Gremien der Stadt Kaarst beschließen zu lassen. Schuldezernent Sebastian Semmler weiß, dass die Bezirksregierung eine Entscheidung des guten Willens getroffen hat – zudem äußerte er Zweifel, dass künftig keine weitere ausnahmsweise Fünfzügigkeit genehmigt werden könne.

Eine Verkleinerung auf vier Züge sei nicht ohne weiteres möglich

Im Schulausschuss wies er auf folgendes hin: „Wenn wir einmal die Fünfzügigkeit beschlossen haben, kämen wir bei Bedarf so schnell nicht wieder auf eine Vierzügigkeit.“ Die Erhöhung von vier auf fünf Züge sei problemlos möglich, wenn auch nicht im laufenden Anmeldeverfahren. Und er verwies auf einen Ratsbeschluss zugunsten eines breit aufgestellten Schulsystems mit der Konsequenz des Fortbestands der Realschule. Für diese könnte es schwer werden, die Zweizügigkeit zu halten, eine Einzügigkeit würde das Ende einleiten.

Schon jetzt kommt eine stattliche Anzahl von Schülern aus Neuss. Da sich die Schullandschaft dort gerade ändert, ist nicht absehbar, ob in den folgenden Jahren weiterhin mit vielen Anmeldungen gerechnet werden kann. Semmler sieht für das kommende Schuljahr eine „Delle“ in den Schülerzahlen, so dass die Begrenzung der Zügigkeit der Gesamtschule die Realschule schützen soll. Mittelfristig sieht aber auch er die Gesamtschule bei fünf Zügen. Für Wolfgang Reuter (SPD) ist diese „Delle“ eine einmalige Sache. Und der Realschule gab er einen Tipp: „Es liegt auch an dieser Schule, noch mehr für ihre Attraktivität zu tun.“ Abgelehnt wurde der Vorschlag von Heinrich Hannen (Grüne), eines der beiden Gymnasien von der Vier- auf die Dreizügigkeit zurückzustufen. Camilla Altvater, Vorsitzende der Schulpflegschaften, sprach von einer „Zitterpartie“ bei Eltern, die ihre Kinder auf der Gesamtschule angemeldet haben. Ihre Frage: „Ist es gewollt, dass Kaarster Kinder auf Schulen in anderen Städten ausweichen müssen?“

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