Oberpfarrer Guido Assmann zur schwindenden Bedeutung des Advents und das Erleben der Christmette.

im Gespräch
Oberpfarrer Guido Assmann in St. Quirin.

Oberpfarrer Guido Assmann in St. Quirin.

Lukas (9) und sein Bruder Tim (10) zünden vor einem Marienbild in St. Quirin kurz vor Weihnachten Kerzen an.

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Oberpfarrer Guido Assmann in St. Quirin.

Neuss. Es ist viel zu tun in diesen Tagen, den letzten vor dem Weihnachtsfest. Pastor Guido Assmann, Oberpfarrer von St. Quirin, besucht Feiern und nimmt Kindern die Beichte ab, er lässt sich beim Adventsfenster in der Nachbarschaft sehen, bereitet Messen vor, fährt zur Beerdigung eines Pfarrers. Und macht sich seine Gedanken über den Advent, die Heilige Nacht, das Weihnachtsfest.

Immer weniger spielt der Advent eine Rolle

„Frohes Fest“ hört er in diesen Tagen oft. „Frohes Fest“, das hält er nicht für falsch – wenn es denn inhaltlich gefüllt wird. Uralt ist der Festtermin zur Wintersonnenwende. „Und das Fest der Geburt des Gottessohnes feiern wir seit mehr als 1000 Jahren an diesem Datum“, sagt er. Schon früher gab es vorchristliche Feste, „dann haben wir Christen das Fest mit unserem Gedankengut gefüllt“. Und heute? Es gebe Tendenzen, sagt der Oberpfarrer, dass Weihnachten als Fest an sich verstanden werde; ein Familienfest als Wert, was er nicht für falsch halte. „Aber es darf nicht in den Hintergrund treten, dass die Menschen erlöst wurden durch die Menschwerdung Gottes.“

Schmerzlich empfindet er auch, dass der Advent immer weniger eine Rolle spiele. „Es geht nur um die Vorweihnachtszeit. Überall stehen Weihnachtsbäume, es gibt Weihnachtsfeiern – auch in katholischen Einrichtungen. Wir berauben uns einfach der Zeit der Besinnung.“ Von den Scharen von Weihnachtsmännern, „die mit dem Weihnachtsfest nichts, aber auch gar nichts zu tun haben“, mag er da gar nicht erst reden.

„Und dann werde ich am 27. Dezember schon die ersten Weihnachtsbäume auf der Straße sehen“, sagt er. „Aber Weihnachten ist dann nicht vorbei. Es dauert bis zum 6. Januar.“

Dennoch: Pfarrer Assmann trifft auf viele Menschen, die den Heiligen Abend erwarten, sich auf die Weihnachtsnacht freuen. Dann wird auch er wieder in der Kirche stehen, bekannte und unbekannte Gesichter sehen und bemüht sein, den heterogenen Kreis der Gläubigen und Traditions-Sucher anzusprechen, „ohne dass wir uns verbiegen.“ Die Liturgie, die zeichenreiche Zeit, helfe, sagt er, auch die aufwendige Kirchenmusik. Eine Anspannung fühlt er durchaus vor den großen Messen in der Weihnachts- und der Osternacht. Umso mehr freue er sich, wenn er das Gefühl habe, die Herzen der Menschen öffneten sich: „Es wird dann spürbar: Gott und die Menschen sind sich begegnet. Dann ist wirklich Weihnachten für mich.“

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